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Wiederaufbau der historischen Höllentalangerhütte in München

Die neue alte Hütte

Die "Ur-Hölle" auf der Praterinsel

 

Über 120 Jahre nachdem die Sektion München des DAV in fast 1400 Meter Höhe auf dem Höllentalanger die Eröffnung der ersten Höllentalangerhütte feierte, wurde die "Ur-Hölle" nun ein zweites Mal errichtet. Seit Anfang Juni 2016 konnten Interessierte im Garten des Hauses des Alpinismus auf der Praterinsel live miterleben, wie ein Stück Berggeschichte mitten in München wieder zum Leben erweckt wurde.

Möglich gemacht wurde die neue Attraktion des Alpinen Museums dank der großzügigen finanziellen wie fachlichen Unterstützung der DAV-Sektion München, der Versicherungskammer Bayern sowie des Freistaates Bayern und des Bezirks Oberbayern. Die neu aufgebaute Hütte kann seit dem 9. März 2017 immer dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden.



 


Hölle gestern und heute

Von der Blockhütte zum Besuchermagnet

Einweihung der Ur-Hölle am 16. Juli 1894
Die erweiterte Höllentalangerhütte 1910
Freilegung der Ur-Hölle 2013

Seit 1894 prägt die Höllentalangerhütte das Bild im oberen Höllental und ist bei Bergsteigern wie Tagesgästen beliebter Anziehungspunkt. Wie sich die Hütte im Lauf der Jahrzehnte verändert hat, zeigte sich bei den Abbrucharbeiten im September 2013: Stück für Stück drang die beauftragte Baufirma durch die verschachtelte Hütte zum eigentlichen Höllen-Urkern vor, der vollständig in das Gebäude integriert war.

"Ursprünglich war die Hütte ein sechs Mal sieben Meter großer Blockhausbau. Im Erdgeschoss gab es ein Matratzenlager mit zehn Schlafplätzen, einen Ofen, einen Schrank, Tische und Bänke", erzählt Günther Manstorfer, Erster Vorsitzender der Sektion München des DAV. Der Dachraum bot weiteren 20 Personen Platz zum Schlafen, im Keller schließlich lagerte das Bier. Nach der Eröffnung der Höllentalklamm drängten die Tagesausflügler ins Höllental, schnell kam die Hütte an ihre Kapazitätsgrenzen.

Schon bald erweiterte man die "Hölle" und stockte dieses Gebäude wiederum auf – acht neue Schlafräumen waren geschaffen. "Von 1924 bis 1926 baute unsere Sektion ein drittes Gebäude. Fortan gab es rund 100 Schlafplätze im Höllental", führt Manstorfer fort. Doch der Zahn der Zeit nagte unerbittlich an der Höllentalangerhütte. Hinzu kam, dass sie heutigen Sicherheits-, Umwelt- und Hygieneanforderungen längst nicht mehr gerecht werden konnte. So begann die Sektion bereits Mitte der 1990er Jahre mit konkreten Planungen, an gleicher Stelle einen Ersatzbau zu errichten, der schließlich im August 2015 eingeweiht wurde. 

Fotos vom Wiederaufbau


Bergkultur mitten in München

Anlieferung der Ur-Hölle
Der Aufbau der Hütte ist im vollem Gange
Die Hütte soll aussehen wie 1894

Dass die Urzelle der Höllentalangerhütte nun auf der Praterinsel wiedererrichtet wurde und die Anfänge des Schutzhüttenbaus mitten in München erlebbar sind, ist nur durch die finanzielle wie fachliche Unterstützung mehrerer Förderer möglich. "Wir sind seit fast 20 Jahren Partner des Deutschen Alpenvereins und setzen, wie die größte Bergsteigervereinigung der Welt, auf Nachhaltigkeit", erklärt Dr. Frank Walthes, Vorstandsvorsitzender der Versicherungskammer Bayern (VKB). "Der Schwerpunkt unserer Zusammenarbeit liegt im Bereich Hütten und Wege, weshalb wir auch dieses Projekt gerne unterstützen." Auch der Referent von der Landesstelle Nichtstaatlicher Museen in Bayern, Shahab Sangestan, freut sich sehr, dass der Wiederaufbau der "Hölle" jetzt realisiert werden konnte: "Abgesehen von der kulturellen Bedeutung des Projekts, hat es ja auch etwas Außergewöhnliches, mitten in München, auf einer Insel eine Berghütte wieder zu errichten."

Der Sektion München war der Wiederaufbau von Anfang an eine Herzensangelegenheit: Schließlich lebt so ein wichtiger Teil der Sektionsgeschichte weiter. "Bis zum letzten Tag war die Hölle bei unseren Übernachtungsgästen sehr beliebt. Unsere Gäste waren sich alle bewusst, dass sie hier in einem sehr traditionsreichen Gemäuer übernachten", erzählt Thomas Gesell, Hüttenreferent der Sektion München. "Der einzige Wermutstropfen der Urhölle war ihre Lage. Sie lag relativ nah am Dieselaggregat und war somit akustisch stets gut angebunden."

Seit Eröffnung der "Ur-Hölle" im März 2017 ist für die Besucher das Bergleben um 1900 nun ein Stück weit mitten in München erlebbar, so die Leiterin des Alpinen Museums, Friederike Kaiser. "Die Ur-Hölle erzählt viele spannende Geschichten. Zum Beispiel widerlegt ein Trennvorhang im Bettenlager eindeutig, dass Frauen früher nicht in die Berge gingen." Zeitgleich mit der offiziellen Einweihung der wiedererrichteten "Ur-Hölle" wurde gleich nebenan im Alpinen Museum die Sonderausstellung "Hoch hinaus! Wege und Hütten in den Alpen" eröffnet.

 

weiterführende Links:
Die neue Höllentalangerhütte
Geschichte der Höllentalangerhütte
Sonderausstellung "Hoch hinaus! Wege und Hütten in den Alpen"

"Zum ersten Mal in der Geschichte des Alpenvereins wurde mit der Höllentalangerhütte eine Alpenvereinshütte komplett abgerissen und wieder neu aufgebaut.
Wir sind sehr glücklich, dass der Urkern der Hölle bei uns auf der Praterinsel eine zweite Heimat gefunden hat."

Friederike Kaiser
Geschäftsbereichsleiterin Kultur beim DAV