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13. Münchner Stadtmeisterschaft 2015

Hitzeschlacht in Freimann

Text: Nils Schützenberger, Fotos: Marco Kost

Eröffnet wurde die Veranstaltung der Alpenvereinssektion Oberland (mit Unterstützung der Alpenvereinssektion München) am Vormittag bei bereits hitzigen Temperaturen um die 25 Grad. Die Eröffnungsreden wurden von Stadtrat Klaus Peter Rupp in Vertretung der Schirmherrin Bürgermeisterin Christine Strobl und von Andi Roth als Vertreter des Kletterhallen-Trägervereins gehalten. Dann begann die Hitzeschlacht der 250 Teilnehmer, die in insgesamt acht Klassen zzgl. vier Handicap-Klassen starteten. Es galt ca. 30 Boulder und jeweils eine Route in jeder Klasse zu bewältigen. Die Routen und die meisten der Boulder wurden dabei von Schiedsrichtern gewertet. Ein eingespieltes Team von ca. 50 Helfern stellte mit insgesamt 20 Schiedsrichtern die größte Anzahl an Schiedsrichtern auf einem deutschen Wettkampf. Und so zeichnete sich die Münchner Stadtmeisterschaft auch dieses Mal wieder als fairer Wettstreit aus. Sponsoren, allen voran Sporthaus Schuster und Mountain Equipment, hatten Preise im Wert von 6000 Euro zur Verfügung gestellt.

Film über die 13. Münchner Stadtmeisterschaft

Bildergalerie von Walter Treibel

Ergebnisse

Bildergalerie




Viele und starke Kinder waren am Start
Noch ist es schön schattig ..

Faire Qualifikationsrunde

Die Kinderklassen waren besonders gut vertreten: Über 80 Teilnehmer waren unter 13 Jahre alt. Seit Jahren schon ist die Münchner Stadtmeisterschaft die Gelegenheit für junge Nachwuchstalente an einem Kletter- bzw. Boulderwettkampf teilzunehmen, der genauso professionell ausgerichtet ist, wie sonst bei den "Großen". Zeigen was geht, konnten die kleinen Kletterer und Boulderer auch an den Kinderstationen: Slacklinen, Tisch- und Hangelboulder brachten Abwechslung und spielerischen Genuss in das Event. Zwei Pizzen, Riegel von Clif Bar, Teilnehmer-T-Shirts und ein Extragetränk boten den Teilnehmern mehr als der übliche Wettkampf. Die Qualifikation war insgesamt anspruchsvoll, ergab aber in fast allen Klassen an der Spitze ein sehr differenziertes Bild. Bei den Kindern musste wegen des unerwartet großen Andrangs die Qualifikation um eine halbe Stunde verlängert werden, um eine faire Teilnahme zu garantieren.


Starke Handicap-Kletterer

Während die Jugend und die Erwachsenen am Mittag ebenfalls ihre Laufzettel abgaben, fighteten die Handicapler hochmotiviert weiter. Bei ihnen galt es insgesamt sechs Routen zu klettern, die immerhin ein Kletterkönne bis zum 7. Schwierigkeitsgrad abfragten. Apropos Handicapler: Nachdem im letzten Jahr auf der Münchner Stadtmeisterschaft zum ersten Mal ein Handicap-Wettkampf in Deutschland erfolgreich stattfand, ist die Teilnahme der behinderten Kletterer bereits Routine geworden und wird auch in Zukunft fester Bestandteil dieses Events sein. Es gibt sogar einige Handicap-Kletterer, die gezielt und systematisch für die Stadtmeisterschaft trainieren und sich schwerere Routen für 2016 wünschen. Die Klassenzuordnung bei den Handicaplern teilt sich in körperlich und geistig Behinderte, die sich wiederum in Kinder- und Erwachsenenklassen unterteilen sowie natürlich in weibliche und männliche Teilnehmer. Dieses Jahr starteten im Vergleich leider etwas weniger Handicapler, da am selben Tag in zwei Münchner Behinderteneinrichtungen Sommerfeste stattfanden.



Ein Rasensprenger brachte Abkühlung
Beim High-Jump-Contest

Kühles Nass und High Jump

Inzwischen hatte sich eine ungewöhnliche Gluthitze über München gelegt, nur noch vor der schattigen Außenwand gab es Erlösung. Ein Rasensprenger animierte zur Abkühlung zwischendurch, während in der Boulderhalle der traditionelle High-Jump-Contest in vollem Gange war. Zwei Quizspiele von Mountain Equipment und Tenaya brachten u. a. vier wertvolle Kletterschuhpaare zu den Gewinnern. Und dann mussten auch schon die ersten Finalisten in die Isolation. Je Klasse erkämpften sich die fünf Besten die Finalteilnahme. Das Finale der Münchner Meisterschaft sollte in der topmodernen und atmosphärisch sehr angenehmen Boulderhalle abgehalten werden. Gestartet wurde wie immer mit den Kindern.


Was hat München mit Hong Kong zu tun?

Auf der Münchner Stadtmeisterschaft hatten seit Anbeginn an Nachwuchstalente ihren ersten großen Auftritt. Sogar Weltstars des Kletterns wie Alex Megos (Erlangen), David Firnenburg (Hannover) oder Monika Retschy (München & Oberland) brillierten bereits als Kinder auf der Münchner Stadtmeisterschaft. Ob aus den Besten der Kinderklasse einmal Kletterweltstars werden, kann niemand vorhersagen, nichtsdestoweniger waren deren Auftritte beeindruckend. Allen voran bei den Jungs brillierte Pou Hei Schmirmund (1./ Perspektivkader 2 München & Oberland). Der Wahlmünchner aus Hong Kong gewann seinen 7. von sieben Wettkämpfen in diesem Jahr und wurde damit auch Oberlandcup-Gewinner. Ein 75 Euro Einkaufsgutschein von Schuster war die Belohnung. Auch auf der bayerischen Ebene stellt der jüngste und kleinste Teilnehmer in der Jugend D übrigens derzeit alles in den Schatten. Hinter ihm platzierte sich Ludwig Breu (2.), der auch den 2. Platz im Oberlandcup abholte, vor Julius Rüth (3.). Dritter in der Oberlandcup-Gesamtwertung wurde Pou Hei’s Kaderkollege Moritz Marko (München & Oberland).


Wettkampfkader 3 dominiert bei den Mädels

Wie schon auf dem bayerischen Leadcup in Neu-Ulm eine Woche zuvor dominierte bei den weiblichen Kids, bis auf eine besondere Ausnahme, der Wettkampfkader 3 von München & Oberland. Anna Lechner (1./München & Oberland) siegte nur knapp vor Leonie Muth aus Würzburg (2. /eben jene Ausnahme). Auf Platz 3 kam Theresa Gillitzer (3./ München & Oberland), deren Ergebnis im Gegensatz zu den beiden Vorgenannten nicht identisch mit der Oberlandcup-Gesamtwertung war. Bei der Gesamtwertung aller vier Oberlandcups stand auf dem dritten Stockerl Magdalena Schmidt (3./ebenfalls Wettkampfkader 3, München & Oberland). Angemerkt sei, dass die Würzburgerin Leonie Muth noch ein Jahr jünger ist, als die Mädels vom Wettkampfkader 3, kein Kadertraining nutzen kann und eine ähnlich eindrucksvolle Jahresbilanz wie Pou Hei aufweist. Auch sie ist sicherlich ein großes Talent.



Volle Konzentration ist angesagt
Die Siegerinnen der 40+-Klasse

Christina Wittauer siegt verdient

Bereits nach der Quali lag die favorisierte Salzburgerin Christina Wittauer vorne und gab ihre Führung bis zum Schluss auch nicht mehr ab. Christina nimmt seit vielen Jahren an den Oberlandcups teil und trainiert mindestens genauso lange im bayerischen Stützpunkt in Berchtesgaden. Zwar siegte sie auf der Münchner Meisterschaft "nur" nach Einbezug der Vorrundenergebnisse, aber die Leichtigkeit ihres Kletterstiles bewies für alle sichtbar, dass sie in einer eigenen Klasse unterwegs ist. Der Oberlandcup-Gesamtsieg ging jedoch an Lily Braun (Perspektivkader 1, München & Oberland). Lily wurde in der Tageswertung mit einer für sie fulminanten Leistung Zweite. Dritte wurde Lara Lechner (Wettkampfkader 2, München & Oberland), in der Oberlandcupgesamtwertung stand auf dem dritten Treppchen die Kaderkollegin von Lily, nämlich Paulina Keinath (Perspektivkader 1).


Konstantin Dressler gewinnt in der männlichen Jugend

Mit Konstantin Dressler (USC München) hatte niemand gerechnet. Er war auf dem CLIMB FREE im Winter nur 15. geworden, in Bad Tölz ebenfalls nicht im Finale und lediglich auf Platz 8. Konstantin siegte im letzten Finaleboulder so überraschend wie klar, während er in der Qualifikationsrunde noch auf Platz 4 gelegen war. Auf Platz 2 kam Dominik Brack vom Wettkampfkader 1 von München & Oberland. Er sicherte sich damit auch den Sieg in der Gesamtwertung des Oberlandcups. Florian Jahrbeck, der bisher ohne Trainer klettert, kam auf den ausgezeichneten 3. Rang (2. der Oberlandcup-Gesamtwertung!). Martin Jobst im Gilchinger Finale 2., schloss mit dem 3. Oberlandcup-Gesamtrang ab.


40+: Kerstin Heine und Johannes Jahrbeck räumen ab

Die Temperaturen im riesigen Boulderraum von Freimann nahmen auch am späteren Nachmittag nicht ab, wenn sie auch insgesamt niedriger waren als im Freien vor der Halle. Damit ging die Hitzeschlacht auch bei den Erwachsenen 40+ unvermindert weiter. Angelika Lorenz (München & Oberland) lag nach der Quali mit neun Punkten eigentlich klar vorne, verschenkte ihren Sieg dann jedoch im letzten Boulder durch einen Patzer bei der Top-Stabilisierung. Sie griff nach souveränem Auftritt neben die Zielmarkierung und musste sich damit mit dem 3. Platz zufrieden geben. Auch in der Oberlandcup-Gesamtwertung stand ihr damit "nur noch" der 2. Rang zu. Erneut trumpfte deshalb Kerstin Heine (1./ München & Oberland) auf, die Dame die nie abspringt, sondern alle Boulder wieder abklettert. Kerstin heimste in Folge auch den Sieg in der Oberlandcup-Gesamtwertung ein. Zweite der Tageswertung wurde Kathrin Schöttle (München & Oberland), die den dritten Treppchenplatz im Oberlandcup 2015 erkletterte. Bei den 40+-Herren lief der Start im Boulder Nr. 2 des Finales schief. Vier der fünf teilnehmenden Herren übersahen beim ersten Versuch die korrekte Startposition. Nur Johannes Jahrbeck (1.) behielt die Nerven und konnte sich somit, wenn auch ganz knapp, an die Spitze setzen. Freilich wurde er damit auch Sieger im Oberlandcup 2015 in der 40+-Klasse. Sehr ärgerlich für Thomas Stallinger, der seine Favoritenrolle im Boulder Nr. 1 eindrücklich unter Beweis stellte. Als einziger und noch dazu mit einer souveränen Vorstellung toppte er Finalboulder Nr. 1 und lag damit zuerst – wie erwartet – vorne. Wenn eben nicht besagter Start in Boulder Nr. 2 ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Thomas wurde in Tageswertung und Oberlandcup 2015 ebenfalls "nur" Zweiter. Dritter im Bunde wurde Martin Baumer (3. Stadtmeisterschaft und 3. Oberlandcup 2015), der wie Stallinger bereits zwei Mal Jahresgesamtsieger war.



Starke Herren auf dem Siegerpodest
Der Veranstaltungsort: die neue Halle in Freimann

Starke Damen und Herren am Start

Selten war das Starterfeld bei Damen und Herren so stark wie bei dieser 13. Münchner Stadtmeisterschaft. Bereits seit zwei Jahren dominierte Sophie Arnold aus Erlangen die Damenklasse in den Oberlandcups und konnte regelmäßig Gesamtsieg und Wanderpokal nach Erlangen entführen. So war es auch keine Überraschung, als Sophie nach der Quali führte. Im sehr körperkräftigen Finale schob sich jedoch Tabitha Eckfeldt (München & Oberland) mit fulminantem Einsatz überraschend hauchdünn vor Sophie. Laut Modus geht die Münchner Stadtmeisterschaft bevorzugt in die Gesamtwertung ein. So lag Tabitha auch in der Oberlandcup-Gesamtwertung schlussendlich knapp vor Sophie. Platz 3 in beiden Kategorien machte die starke Landshuterin Afra Hönig. Noch überraschender war das Ergebnis bei den Herren: Hier waren gleich drei Favoriten am Start: Markus Grünebach, Thomas Lindinger (beide München & Oberland) und Christoph Gabrysch (Zweibrücken). Wer hier der Tagesbeste sei, wagte eigentlich niemand vorherzusagen. Gerüchteweise war von einem superstarken Florian Wientjes (München & Oberland) die Rede, der jedoch für nicht ausreichend "finalstark" eingeschätzt wurde. Doch Florian Wientjes kam, sah und siegte grandios. Und hinter ihm reihten sich auch noch gleich zwei weitere sehr junge Nachwuchskletterer ein: Oliver Schmidt (2./Pfaffenhofen) und Matthias Able (3./Landshut) trumpften in den komplexen und zugleich kraftzehrenden Finalbouldern eindrucksvoll auf. Die Oberlandcup-Gesamtwertung freilich sah bei den Herren in etwa so aus, wie es von den meisten eigentlich erwartet worden war: Gesamtsieger wurde Christoph Gabrysch (1.), gefolgt von Markus Grünebach (2.) und Thomas Lindinger (3.).

Es folgte die aufwendige Siegerehrung in allen Kategorien und Klassen. Wie immer hatten großzügige Sponsoren und Unterstützer eine Vielzahl an wertvollen Preisen beigesteuert. Das Sporthaus Schuster belohnte die acht Erstplatzierten des Oberlandcups außerdem mit Einkaufsgutscheinen im Wert von 75 Euro (Kinder) und 100 Euro (Jugend/Erwachsene). Das System, dass sich die Teilnehmer ihre Preise gestaffelt nach Platzierung selbst aussuchen dürfen, ist einer der Pluspunkte, der die Münchner Stadtmeisterschaft so beliebt macht. Gedankt sei an dieser Stelle weiteren Unterstützern: Edelrid, Chillaz, Betastick, Urban Rock, Directalpine, Tenaya und Clif Bar.



Ergebnisse der 13. Münchner Stadtmeisterschaft

Kinder weiblich (Jahrgang 07–03)Kinder männlich (Jahrgang 07–03)

Jugend weiblich (Jahrgang 02–99)Jugend männlich (Jahrgang 02–99)

Kinder/Jugend mit Handicap

Damen (Jahrgang 98–76)Herren (Jahrgang 98–76)

Damen 40+ (bis Jahrgang 75)Herren 40+ (bis Jahrgang 75)

Erwachsene mit Handicap

Ergebnisse Gesamtwertung Oberlandcup 2015

Kinder weiblich (Jahrgang 07–03)Kinder männlich (Jahrgang 07–03)

Jugend weiblich (Jahrgang 02–99)Jugend männlich (Jahrgang 02–99)

Damen (Jahrgang 98–76)Herren (Jahrgang 98–76)

Damen 40+ (bis Jahrgang 75)Herren 40+ (bis Jahrgang 75)



Boulderweltcup Olympiastadion / Deutsche (Jugend-) Leadcup Freimann

Monika Retschy bei der WM 2014

Die Münchner Wettkampfsaison ist freilich noch längst nicht vorbei. Ganz im Gegenteil stehen die beiden größten Events noch bevor: am 14./15.8. findet im Olympiastadion das Jahreshighlight des Wettkampfkletterns statt: Die Weltelite des Bouldern findet sich zum letzten und entscheidenden Boulderweltcup in der Weltstadt des Kletterns ein. Aber aufgepasst: Die Schlussveranstaltung mit Halbfinale und Finale am 15.8. kann nur verfolgen, wer sich rechtzeitig ein Ticket im Internet bestellt.

Gleich nach den Sommerferien werden außerdem die besten Kletterer Deutschlands in Freimann begrüßt. Sie starten dort zum Deutschen Leadcup (19.9.) bzw. Jugendleadcup (20.9.) Der Höhepunkt dieses Events wird sicherlich das Finale der Erwachsenen am späten Samstagnachmittag sein. Der Kletterszene der Region München stehen somit noch zwei große Kletterevents bevor, die an Spannung und Unterhaltsamkeit einiges zu bieten haben.

Ausschreibung Leadcup



Hauptsponsoren 2015




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