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Die Geschichte der Lamsenjochhütte

Lange Zeit war das Karwendel ein Dorado der herrschaftlichen Hochgebirgsjagd. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der Bergtourismus begann, wenn auch zunächst in sehr bescheidenem Ausmaß, war der zunächst sehr unerwünscht in den Jagdgebieten.

Erste Lamsenjochhütte

Die Geschichte der Lamsenjochhütte beginnt im Jahre 1903, als das Benediktinerstift Fiecht der noch jungen Sektion Oberland für 99 Jahre einen 1500 qm großen Platz am östlichen Sattel des Lamsenjoches verpachtete, zweckbestimmt zum Bau einer Schutzhütte.

Am 2. November 1903 wird der Grundstücks-Pachtvertrag abgeschlossen und verbrieft. Nun konnte an die Planungen für den Hüttenbau gegangen werden.

Der Finanzierungsplan wird von der Mitgliederversammlung am 10. November 1903 bewilligt. Von den veranschlagten Kosten in Höhe von 14.000 Mark sollten 10.000 Mark durch Anteilscheine der Sektionsmitglieder zu 20 Mark aufgebracht werden.

Zum Vergleich: Ein Metallarbeiter verdiente damals 20 bis höchstens 40 Mark, pro Woche! Ein Anteilsschein kostete also den Lohn von bis zu 6 Arbeitstagen. Doch Mitglieder im DAV waren damals überwiegend die wohlhabenderen Bevölkerungsschichten.

In einer weiteren außerordentlichen Versammlung am 14. Juni 1904 wird der Bauplan genehmigt.

Ende April 1905 transportiert man schon das Baumaterial über die Schneefelder zum Bauplatz. Im Juni wird die Arbeiterhütte errichtet und dann beginnen die Erd- und Fundamentierungsarbeiten der Unterkunftshütte.

Am 9. Juli 1905 wird die Grundsteinlegung gefeiert. Schon im August kann der Dachstuhl aufgestellt werden, und bald darauf ist das Haus völlig "unter Dach".

Am Bennotag (16. Juni) des Jahres 1906 findet die feierliche Einweihung der ersten Lamsenjochhütte statt.
Die k. k. Forstbehörde verpachtet der Sektion das "Lamsenbründl" für die Wasserversorgung der Hütte. Die zwischen dem östlichen und westlichen Lamsenjoch in hochsensiblem Gelände an der Nordseite der Lamsenspitze gelegene Quelle wird gefasst und das Wasser in einer mehrere 100 m langen Rohrleitung zu einer Widderanlage etwa 40 m unter der Hütte geleitet, von wo es bis in die Hütte emporgepumpt wird.
Die Jahre 1906 und 1907 bringen bereits weit höhere Besucherzahlen als angenommen.

Am 9. März 1908 kommt dann per Telegramm die unfassbare Nachricht:
"Die Hütte steht nicht mehr!"
Wie das Unglück zustande kam, weiß niemand. Der Winter 1907/08 war bis Mitte Februar schneearm und kalt gewesen. Dann schneite es auf die verharschten Hänge vierzehn Tage lang ruhig bei Windstille. Ein plötzlich einsetzender Wettersturz mit Föhnstürmen bewirkte wohl, dass die mächtigen Schneemassen zu Tal stürzten, alles mitreißend, was in ihrer Bahn lag. Die durchaus massiv gebaute Lamsenjochhütte lag in Trümmern. Die schweren Bau-Steine, behauene Felsen, waren verstreut, wenn auch der Beton mit dem sie ursprünglich aufeinander gebaut waren, einige von ihnen noch zusammen hielt.

 

Zweite Lamsenjochhütte

Die Lamsenjochhütte anno 1908

Schon am 7. April 1908 wird der Wiederaufbau der Hütte einstimmig beschlossen und sofort in die Tat umgesetzt.

Am 28. Mai 1908 bestimmt man den neuen Hüttenplatz auf dem Lamsenjoch – etwa 20 m tiefer und 200 m weiter östlich am sogenannten "Arbeser" gelegen.
Kurz darauf wird mit dem Bau einer Nothütte begonnen, zu der fast ausschließlich die Trümmer der alten Hütte verwendet werden. Mit einem Gastraum und der Küche im Erdgeschoss und Schlafräumlichkeiten im Dachgeschoss bietet sie rund 30 Personen Platz; zunächst als Unterkunft für die Arbeiter, dann auch als Notunterkunft für die Touristen.
Der eigentliche Neubau der zweiten Lamsenjochhütte wird etwas großzügiger geplant. Am 12. Juli ist Grundsteinlegung und ". . . schon am 20. September 1908 konnten wir die Hebefeier begehen". Am Kirchweihtag war dann der Bau völlig unter Dach und Fach.

Der Rohbau der neuen Hütte hatte den Winter gut überstanden. In wenigen Wochen waren die letzten Arbeiten vollendet und die Einrichtung beschafft.
Am 27. Juni 1909 wird die Einweihung der zweiten Lamsenjochhütte gefeiert.

Der Mulistall mit der Waschküche wird an einem geschützten Platz in der Nähe der neuen Hütte wieder aufgebaut.
Die Hütte bestand nun aus drei Gebäuden, dem Haupthaus, der Nebenhütte und dem Mulistall mit Waschküche.

Für die zahlreichen Wintertouristen richtet man in der Nebenhütte einen Winterraum ein.
So hatte Oberland bereits 1911 ein Muster der im Jahre 1913 in den "AV-Mitteilungen" (Heft 10) angeregten "Winternebenhütten/Winterräume" eingeführt.

Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg bringen der Hütte guten Besuch; doch mit dem Ausbruch des Krieges stockt der Verkehr, sodass der Pächter Anfang August 1914 abzieht. Von der Sektion wurde ein Mitglied als Aufsichtsperson berufen, das dann bis zum Oktober auf der Hütte blieb. Auch in der Hauptreisezeit 1915 betreute dieser, so gut es die Verhältnisse eben erlaubten, von Mitte Juli bis Anfang Oktober die Hütte.
In den Jahren 1916 bis 1918 war die Hütte dann geschlossen. Der Winterraum war mit dem AV-Schlüssel zugänglich.

In der Sommersaison 1919 ist die Lamsenjochhütte wieder geöffnet. Ganz gegen jede Erwartung stellt sich reger Besuch ein.

Gleich mehrmals wird die Hütte im Winter 1920/21 aufgebrochen, dabei werden immer wieder erhebliche Schäden verursacht. Um die Hütte gegen solch ungebetene Besuche zu sichern, trifft man im Sommer 1921 massive Maßnahmen, um dem Vandalismus zu begegnen. 

Das gute Verhältnis zum Stift Fiecht gab uns die Möglichkeit den Pachtgrund käuflich zu erwerben. Der Grundstückskaufvertrag über rund 1,25 ha wurde am 13. März 1923 vor dem Notar in Schwaz abgeschlossen.

Bei Sanierungsarbeiten an der Wasserversorgung enteckt man eine weitere Quelle, die im Jahre 1928 dann ebenfalls gefasst wird.

Am 28. Juni 1931 feiert man das 25-jährige Bestehen der Lamsenhütte.
Pater Leo vom Kloster Fiecht  75 Jahre alt  heftet der Erste Vorsitzende den silbernen Enzian, das Ehrenzeichen der Sektion an den schlichten Priesterrock.
Besondere Würdigung fanden auch die Verdienste der Pächterfamilie Kofler, die gleichzeitig ihr 25-jähriges Pachtjubiläum beging.

Die Grenzsperre nach Österreich lässt die Besucherzahl stark zurückgehen.

Das Haupthaus erhält nach 30 Jahren ein komplett neues Hüttendach.

Die Kriegsjahre bringen die üblichen Erschwernisse mit sich. Im Sommer 1944 ist die Lamsenjochhütte vollständig von der Wehrmacht belegt und für den allgemeinen Verkehr gesperrt.

Die in Österreich gelegenen Hütten des DAV sind unter treuhändischer Verwaltung des OeAV.

Nach Rückgabe unseres in Tirol gelegenen Hüttenbesitzes wird in den Jahren 1957 und 1958 der längst fällige Umbau der Lamsenjochhütte durchgeführt. Dabei wird im Hauptbau die Küche vergrößert, der Fußboden des Gastraumes erneuert und eine völlig neue sanitäre Einrichtung mit Waschräumen und Klosetts erstellt. Das Nebengebäude erhält einen neuen Vorbau. Erhebliche Anschaffungen an Hütteninventar bringen auch die Einrichtung wieder auf einen befriedigenden Stand. Zur Verbesserung der Wasserversorgung wird eine Pumpwasseranlage errichtet.

Am 20. September 1958 feiert die Sektion das fünfzigjährige Bestehen der zweiten Lamsenjochhütte und führt dabei den fertigen Umbau den zahlreichen Besuchern vor.

Die Wasserversorgungsanlage wird fertig installiert und ein großer Küchenherd mit Warmwasserbereitung angeschafft.

Die laufenden Winterraumkontrollen durch die Jungmannschaft der Sektion zeigen Wirkung; erstmals seit vielen Jahren wird dieser im Frühjahr in gutem Zustand angetroffen.

Immer schwieriger wird die Versorgung der Hütte; mit einem Muli ist dies auf Dauer nicht mehr zu bewerkstelligen. Der Bau einer Materialseilbahn überfordert jedoch die finanziellen Verhältnisse und ein Versorgungsweg scheitert noch an jagdlichen Bedenken.

Die Quellfassungen und die Rohrleitungen der Wasserversorgungsanlage werden nach 60 Jahren und mehreren notdürftigen Instandsetzungsmaßnahmen gründlich erneuert. Mit Genehmigung der Grundeigentümer und der Landesregierung baut man den alten Mulisteig von der Stallenalm zur Lamsenjochhütte so weit aus, dass die Versorgung mit einem Spezialfahrzeug möglich wird. Dies stellt eine wesentliche Erleichterung für die Bewirtschaftung dar. Die Ära der Transporte mit dem Muli war zu Ende.

Der nun fertig gestellte Versorgungsweg und eine neu eingerichtete Küche erleichtern den Wirtsleuten die Arbeit.
Im folgenden Jahr soll die Hütte ein Dieselaggregat zur Stromerzeugung erhalten und auch Planungen für einen Erweiterungsbau werden in Angriff genommen.

Die Lamsenjochhütte hat Strom! Gerade rechtzeitig, denn mit der Eröffnung der Mautstraße von Pertisau ins Falzthurntal bis zum Gramai-Niederleger eröffnet sich den Bergwanderern ein neuer, kurzer Hüttenanstieg. Um dem Missverhältnis zwischen Schlaf- und Sitzplätzen Abhilfe zu schaffen, wird der Aus- und Anbau der Hütte um einen weiteren Gastraum und entsprechenden Sanitäranlagen immer dringender.

Umbau 1971

Ein turbulentes Jahr 1971 beginnt.
Die Übernachtungszahlen werden bis zum Saisonende um 25 % steigen.
Bereits Ende Mai hatte man mit dem Erweiterungsbau des Haupthauses begonnen. Im darauf folgenden Jahr werden die Um- und Ausbauarbeiten zu Ende geführt.
Die Baumaßnahmen erbrachten: einen zweiten Gast- und Aufenthaltsraum für 70 Personen, einen großen Vorratsraum, ein neues, breiteres Treppenhaus, moderne Waschräume und Toiletten, zweckmäßige und freundliche Personalzimmer und im neuen Keller: einen Trockenraum, eine Heißwasseranlage, Vorratsräume und die Garage für das Geländefahrzeug.
Von der Bayerischen Staatsregierung erhielt die Sektion einen Zuschuss von 70.000 DM aus dem Programm "Freizeit und Erholung" für die Baumaßnahme.


Im Zuge der Bauarbeiten wird auf dem Hügel hinter der Hütte eine kleine offene Kapelle errichtet, die sich gut in die Berglandschaft einfügt. Es war das Anliegen der Sektion, hier unter der Lamsenspitze einen Ort zu schaffen, an dem wir unserer verunglückten Bergfreunde gedenken können. Die Kapelle ist aber zugleich eine Geste des Dankes an die Patres des Benediktinerstiftes Fiecht, die uns durch ihre verständnisvolle Haltung den Hütten- und Wegebau hier im Karwendel erst ermöglicht haben. Die Einweihungsfeier des Erweiterungsbaues ist am 7./8. Juli 1973.

Seit August hat die Hütte ein Funktelefon. Neben den Erleichterungen für den allgemeinen Hütten-betrieb können nun vor allem Bergrettungseinsätze entschieden schneller eingeleitet und koordiniert werden.
Die Küche wird mit einem zusätzlichen Gasherd ausgestattet und eine Propangasanlage installiert.

Die Nachricht, wonach ein bereits genehmigter 3½ m breiter Viehtriebweg über die beiden Lamsenjöcher, zwischen Stallental und Großem Ahornboden, geplant sei, schreckt die Sektion, die Grundeigentümer, die alpinen Verbände und die Berg- und Naturfreunde über die Grenzen hinweg gleichermaßen. Höchste Gefahr für das Karwendelgebirge, das Lamsenbründl und damit die Hütte.
Eine breite Solidaritätsbewegung mit Naturfreunden aus ganz Tirol, aus Salzburg und Bayern bietet ihre Hilfe und Unterstützung gegen den geplanten Straßenbau an. Unterschriftenaktionen, Leserbriefe, Presse, Rundfunk und Fernsehen  ein großer Aufschrei: "Rettet das Karwendel!" hallt landauf und landab. Über mehrere Jahre sollten sich die Aktionen gegen den Straßenbau hinziehen, bis die Gefahr gebannt war. Mit einer derart massiven Gegenwehr aus der gesamten Bevölkerung hatte man wohl nicht gerechnet.

Die Quellfassungen des Lamsenbründls werden komplett erneuert.

Unsere Ortsgruppe Eching-Neufahrn errichtet am Wochenende 2./3. September ein Gipfelkreuz auf der Lamsenspitze.
Bereits der Transport des Kreuzes von Eching-Neufahrn bei München nach Vomp brachte großes Echo in der Öffentlichkeit, hatten die Beamten am Grenzübergang Achensee doch Einfuhrumsatzsteuer für das selbstgebaute Gipfelkreuz erhoben. Die Reaktion der Tiroler Bevölkerung auf diese Amtshandlung war überwältigend. In zahlreichen Briefen an die Sektion Oberland, an die regionale Presse, den ORF und die Landesregierung brachte man das Missfallen zum Ausdruck.
Zum Zeichen der Verbundenheit fand sich eine große Zahl von Bergsteigern zur Gipfelkreuzeinweihung ein.

Durch ein neues Sechszylinder-Dieselaggregat mit 45 kVA Leistung werden die ständigen Energieengpässe beseitigt.

Die Bedrohung des Naturschutzgebietes Karwendel durch den geplanten Straßenbau bringt viele Bergfreunde aus Tirol und Bayern zu Aktionswochen zusammen.
Die "Arbeitsgemeinschaft alpiner Umweltschutz der Sektion Oberland", kurz "AGUSSO", wurde gegründet und an den Zugangswegen Informationsstände errichtet. Über 8000 Unterschriften werden gesammelt. Letztlich sollte ein hydrogeologisches Gutachten, das die extreme Gefährdung für das Lamsenbründl durch die geplanten Bau- und insbesondere Sprengarbeiten in diesem hochsensiblen Gelände betonte, den Ausschlag geben. Das Straßenbauvorhaben wurde untersagt, der Bereich um das Lamsenbründl weiträumig als Quellschutzgebiet ausgewiesen.

Gemeinsames engagiertes Handeln vieler Naturfreunde diesseits und jenseits der Grenze hat das Karwendel und die Lamsenjochhütte vor einer massiven Zerstörung bewahrt.

Das Haupthaus erhält neue Fenster mit Wärmeschutzverglasung.

75-Jahr-Feier! Die damals neue Türe, mit dem geschnitzten Hinweis auf 75 Jahre, erweist sich als so solide, dass sie auch bei der Hundert-Jahr-Feier 25 Jahre später nicht angerührt werden musste.

Die Küche wird komplett modernisiert und auch der Hochbehälter für das Wasser wird wieder einmal erneuert.

Waren bereits in der Vergangenheit immer wieder Sturmschäden zu beklagen, so richteten die Orkane "Vivian" und "Wiebke", die in diesem Jahr über das Land fegten, ganz massive Schäden an den Gebäuden an.

Für den Winterraum wird ein neuer Kamin aufgemauert, und die Stube bekommt einen neuen Ofen dazu.

Am 19.09.1993 spielt sich gegen 11:00 Uhr ein besonderes Naturereignis ab: ca. 100.000 Kubikmeter Felsgestein donnern vom Hochnißl tausend Meter ins Stallental. Fast zwei volle Tage hing eine dicke Staubwolke über dem Gelände. Gottlob gab es keine Verletzten.
Man arbeitet an Plänen für ein neues Nebengebäude und eine Abwasser-Reinigungsanlage.

Waren die großen Pläne für den Neubau eines Nebengebäudes an den finanziellen Möglichkeiten der Sektion gescheitert man baute gerade die neue Stüdlhütte am Großglockner nahm nun Reinhard Zollinger, Hüttenreferent seit 1991, die dringend notwendige Renovierung des Schlafhauses (Nebengebäude mit Winterraum) in die Hand. Mit handwerklichem Können und Augenmaß wird das gesamte Gebäude runderneuert: Wärmeisolierung, Innen- und Außenverkleidung, Türen und Fenster und eine Lärchenverschindelung. Eine gelungene, beispielhafte Generalsanierung, bei der auch die Kosten in einem erfreulichen Rahmen blieben.

In diesem Jahr wird das Dach des Haupthauses erneuert und die Eternittafeln an den Aussenwänden werden durch eine Verkleidung aus Lärchenschindeln ersetzt.

Dreieinhalb Monate wird bei laufendem Hüttenbetrieb umgebaut. Dann ist es geschafft. Die Hütte besitzt nun eine moderne Kläranlage sowie ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW), als das Herz der komplett neuen Energieversorgungsanlage für Strom und Wärme.
Im EG werden die Toiletten erneuert und ein Trockenraum im Keller eingerichtet.

Der Hüttenpächter baut, mit finanzieller Unterstützung der Sektion, eine Terrasse neben dem Eingang. Nun lässt es sich draußen in der Sonne gut sitzen.

Unsere Lamsenjochhütte wird mit dem Umweltgütesiegel des Alpenvereins ausgezeichnet.

Die Sektion begeht festlich das hundertjährige Jubiläum der Lamsenjochhütte.

Zu den Feiern hatte Dr. Walter Treibel, der 1. Vorsitzende der Sektion Oberland, eingeladen.
Sie beginnen mit einem gemütlichen Hüttenabend am Samstag, den 5. Juli 2008.

Mit vielen weiteren Gästen – dabei einige Gesichter 'von früher' – geben Professor Mimo Röhle, der Präsident des DAV-Dachverbandes, Professor Klaus Preuss, der frühere 1. Vorsitzende der Sektion Oberland sowie Günther Manstorfer, der Vorsitzende der Sektion München, dem Anlass besondere Ehre.

Bei den Gesprächen mit dem Stift Fiecht, lokalen Amtsträgern und Nachbarn zur Vorbereitung der Feier ist es beeindruckend zu erfahren, wie angesehen die Sektion Oberland und wie beliebt die Lamsenjochhütte in der Region ist.

100 Jahre Lamsenjochhütte

An einem Bergsommertag wie aus dem Bilderbuch feierten am 6. Juli 2008 viele Oberländer mit zahlreichen Ehrengästen den hundertsten Geburtstag ihrer "Lamsen".

Pater Regino Schüling vom Stift Fiecht zelebrierte die Bergmesse. Die "Fidelen Karwendler" untermalten den Gottensdienst musikalisch. Nach den Grußworten u.a. vom Präsidenten des Deutschen Alpenvereins, Professor Heinz Röhle, dem Geschäftsführer des CAI Milano, Marco Tieghi, dem Bürgermeister der Gemeinde Vomp, Kar-Josef Schubert und dem Leiter der Bergrettung Schwaz, Fred Wallenta, konnten dessen Mannen einen anschaulichen Einblick in ihre vielfältige und gefährliche Arbeit im Gebirge geben.

Bei einem simulierten Unglücksfall in der Hochnisslwand wurde ein Verunfallter mittels Stahlseilwinde geborgen und sein Seilgefährte im Zuge der Kameradenbergung abgeseilt.

Der 1. Vorsitzende der Sektion Oberland, Dr. Walter Treibel, überreichte der Bergrettung Schwaz als Dank für die gute Zusammenarbeit und die hervorragende Sanierung des Brudertunnels und des Klettersteiges zur Hochnisslspitze neue Funkgeräte.

Auch der aufkommende Regen konnte die gute Stimmung nicht stören.

Artikel zum 100-jährigen Jubiläum
in »DAV PANORAMA« 3/2008, Seite 84–87 [491 kb]

 

Im Winterraum wird ein neuer Herd installiert und der Kaminabzug sturmfest gemacht. Seither drückt es auch bei sehr ungünstiger Windsituation den Rauch nicht mehr in den Winterraum.

Die Fenster im Erweiterungsbau links neben der Eingangstüre werden erneuert. Um den gestiegenen Ansprüchen des Brandschutzes zu genügen, werden ab der Sommersaison temporäre Nottreppen an beiden Stirnseiten des Haupthauses und an der Südseite des Winterhauses errichtet.

Eine UV-Filteranlage für das Trinkwasser wird installiert.

Die Schänke wird in den bisherigen Eingang zur Küche verlegt.
Die Küche bekommt einen Industrieboden, der erheblich leichter zu reinigen und hygienischer ist. Die Zwischenwand zum nebenliegenden Vorratsraum wird entfernt, um wirtschaftlicheres Arbeiten zu ermöglichen.
Das Arrangement der Küchengeräte um den nicht veränderten Herd in der Mitte ist ebenfalls optimiert. Die Versorgung der Gäste zu den Stoßzeiten geht jetzt schneller.

Die kleinere der beiden 1978 erneuerten Quellfassungen – sie war bereits seit vielen Jahren abgeklemmt – wird zurückgebaut. Die weithin sichtbaren betonierten Bunker der alten Pumpenfassung (nahe dem jetzigen Bauwerk) und der alte Hochbehälter (oberhalb der Hütte) werden buchstäblich dem Erdboden gleich gemacht.

Der letzte der alten Hochbehälter – am östlichen Lamsenjoch, oberhalb des jetzigen Pumpenhauses – wird ebenfalls abgebrochen. Hier war der Beton besonders widerstandsfähig und von bester Qualität.
In der Hütte wird der alte Teppichboden in den Lagern entfernt, darunter kommt der wunderschöne und gut erhaltene Dielenboden zum Vorschein.
Um die Hütte wird das Erdreich (meistens sehr hartes Gestein) bis zum Mauerfuss aufgegraben und eine Drainage verlegt, um die Grundmauern der Hütte nicht der Staunässe auszusetzen. Seither ist die Feuchtigkeit der Grundmauern im Inneren des Gebäudes praktisch verschwunden.

Nach Meldungen von Bergsteigern über Felsabbrüche im Bereich der Steinkarlspitze und eigener Beobachtung bei Befliegungen kommen Geologen zu dem Schluss, dass ein weiterer Bergsturz erwartet werden muss – siehe 1993. Auf dem Weg klafft mittlerweile ein Spalt, der nicht mehr übersprungen werden kann.
Der Weg ab dem Ausstieg Brudertunnel zum Hochnissl wird gesperrt. Der Zustieg zur Hütte vom Stallental darf nicht mehr durch den Talgrund erfolgen, sondern führt offiziell über die Fahrstraße auf der gegenüberliegendenden Seite des Stallentales.

Im Eingang zur Hütte wird die Wand zur ehemaligen Schänke abgetragen und dadurch der Raum im Eingangsgereich – zwischen Treppe und Außentüre – beträchtlich vergrößert. Damit ist der Fluchtweg erheblich sicherer als bisher.
Im 'neuen Gastraum' wird durch eine Abtrennung eine Organisationskammer geschaffen, in der nun vor allem die Schlafregistrierungen den anderen Betrieb nicht mehr stören.
Im Vorratskeller wird eine Wand eingezogen, um einen Schuhraum zu schaffen, der mit einem neuen Durchbruch zum Trockenraum verbunden ist.
Für die Bergrettung wird ein eigener, abschließbarer Raum gegenüber der Treppe im obersten Stockwerk gebaut. Nun kann Gerät dort gelagert werden, das im Einsatzfall nicht erst auf die Hütte transportiert werden muss.
Die gesamte elektrische Anlage, einschließlich der Verkabelung, wird erneuert. In diesem Zusammenhang werden energiesparende LED-Lampen eingebaut.
Und ... eine Brandmeldeanlage wird installiert! In hundert Jahren Hüttengeschichte ist kein Brand bekannt. Trotzdem geht Sicherheit über alles.
Zum ersten Mal seit dem Jahr 2011 hat die Lamsenhütte an den Stirnseiten keine Gerüste mehr als provisorische Fluchtwege!
Die Umbaumaßnahmen waren so umfangreich, dass bis Mitte Juli nur das Winterhaus, aber nicht die Hütte selbst für Übernachtungen zur Verfügung stand. Auch danach mussten unsere Gäste noch manche Unannehmlichkeit in Kauf nehmen.

Auch dieses Jahr beginnt die Öffnung für Gäste vier Wochen später als sonst, weil zunächst im Eingangsbereich, in den Gasträumen und auf der Treppe neue Böden verlegt werden. Mit einigen Fahrten auf der teilweise recht kitzligen Straße zur Hütte werden die langen Eichendielen transportiert, die vor Ort zugeschnitten und von einer einheimischen Firma fachmännisch verlegt werden. Außerdem werden Brandschutztüren nach den neuen Vorschriften eingebaut. Da auch dieses Jahr der Schnee sehr lange liegen blieb, konnten die Bauarbeiten erst Ende Mai beginnen und nicht vor Mitte Juli abgeschlossen werden.

 


 

Die Hüttenreferenten der Sektion:

1904 – 1915                Dr. Karl Lehmann

1916 – 1921                Hans Siegert

1922 – 1947                Karl Siegert, 1941–1946 vertreten von Adolf Sotier

1948 – 1952                Hermann Liebl

1953 – 1955                Josef Langheinrich

1956 – 1968                Wilhelm Aschka

1969 – 1976                Franz Stachl

1977 – 1991                Konrad Buchleitner

1991 – 2003                Reinhard Zollinger

2004 – 2006                Brigitte Zollinger

2007 –                         Manfred Kohl

 

Die Hüttenpächter der Lamsenjochhütte:

 

1906 – 1938                Hans Kofler

1939 – 1945                Hans Kofler jun.

1946 – 1965                Andrä Brunner

1966 – 1976                Franz Wildauer

1977 – 1995                Paul Schermer

1996 – 2006                Walter und Natalie Bliem

2007 – 2012                Oswald und Petra Erhart

2013 –                         Martina und Christian Füruter

 


 

 

Bis 2005 in Auszügen zusammengestellt von Konrad Ott aus dem Buch „60 Jahre Oberland 1899–1959" und aus den Jahresberichten der Sektion Oberland des DAV.
Seither ergänzt und fortgeschrieben vom Hüttenreferenten Manfred Kohl.