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NSG-Treffen 2007

Jahrestreffen 2007 der am Naturschutz Interessierten im DAV

Foto: G. Kaiser
Foto: G. Kaiser
Vom 17.-19. Mai 2007 fanden sich auf der im linkselbischen Teil des Elbsandsteingebirges gelegenen Bielatalhütte über 30 Teilnehmer zum traditionellen Jahrestreffen der am Naturschutz Interessierten im DAV ein. Dieses Treffen, an dem in der Regel auch Vertreter der Abteilung Natur- und Umweltschutz des DAV teilnehmen, wird im jährlichen Wechsel von den Naturschutzgruppen und -referenten im DAV vorbereitet und durchgeführt.

Bielatalhütte der Sektion SBB

 

Es steht allen Interessierten im DAV offen, also auch denjenigen, die nicht Referent einer Sektion oder Mitglied einer Naturschutzgruppe sind. Ziel dieser Veranstaltung ist es, über die Umweltarbeit der gastgebenden Sektion sowie über allgemeine Entwicklungen und Neuigkeiten im Bereich der DAV-Naturschutzarbeit zu informieren. Außerdem dient sie dem gegenseitigen Erfahrungsaustausch und damit auch dem Auffrischen der Motivation der DAV-Umweltschützer, die in ihren Sektionen leider sehr oft als Einzelkämpfer dastehen.

Das Treffen des Jahres 2007 wurde von den Naturschutzgruppen der Sektionen Leipzig und Sächsischer Bergsteigerbund (AG NUS des SBB) in vorbildlicher Weise ausgerichtet. Nachdem am Donnerstag abend fast alle Teilnehmer eingetroffen waren – der Verfasser dieses Berichts gelangte aufgrund technischer Probleme der Deutschen Bahn erst mit zweistündiger Verspätung ans Ziel –, gab es zunächst eine kurze Vorstellungsrunde. Anschließend fasste Manfred Berger, der Vorsitzende des DAV-Bundesausschusses für Natur- und Umweltschutz, die aktuellen Entwicklungen im Bereich Naturschutz aus Sicht des Hauptvereins zusammen. Zur Einstimmung auf die kommenden beiden Tage stellte Dr. Volker Beer von der Sektion Leipzig das Gebiet der Sächsischen Schweiz in einer von Lichtbildern und launigen Bemerkungen untermalten Einführung vor.

Foto: G. Kaiser
Foto: G. Kaiser
Für Frühaufsteher stand am Freitag morgen eine Vogelstimmenwanderung mit dem Leipziger Zoologen Dr. Mathias Ladusch auf dem Programm. Anschließend erkundeten wir zusammen mit Revierförster Endler das obere Bielatal, eines der klettersportlichen Zentren im Elbsandsteingebirge. Das Sportklettern hat hier eine lange Tradition, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurückreicht. Kurz nach der vorletzten Jahrhundertwende mussten aufgrund des Andrangs und der damit verbundenen Umweltschäden strenge Regeln erlassen werden, die bis heute im Großen und Ganzen ein tragbares Gleichgewicht zwischen Naturnutz und Naturschutz gewährleisten.

 

Kletterer an der kleinen Herkulessäule (Bielatal)

 

Dennoch treten an manchen Stellen immer wieder Probleme auf, wie wir in der Umgebung der Felsgruppe Verlassene Wand feststellen konnten. Die Trittschäden waren hier in den letzten Jahren so gravierend, dass weitläufige Holzbarrieren errichtet werden mussten. Darüber hinaus wurden illegal Bäume für Lagerfeuer gefällt, z.B. am Großen Eislochturm. Oft sind es aber nicht Kletterer, die sich danebenbenehmen, sondern Gruppen verantwortungsloser Normalbürger, für die ein „Abenteuerwochenende" im Wald nur dann gelungen ist, wenn dabei viel Bier konsumiert und ein großes Feuer angezündet wird.

Herr Endler schilderte uns auch die massiven Probleme im Bereich der Forstwirtschaft. Die aus der DDR-Zeit stammende Übersäuerung des Bodens konnte nur durch die großflächige Verteilung von Kalk per Hubschrauber etwas reduziert werden. Langfristig bemüht man sich, die vorherrschenden Fichtenmonokulturen in einen stabilen Mischwald zu verwandeln. Zur geologischen Entstehungsgeschichte des Elbsandsteingebirges hörten wir sehr interessante Erläuterungen von Dr. Ansgar Müller (Sektion Leipzig).

 

Foto: G. Kaiser
Foto: G. Kaiser
Am Nachmittag konnte man entweder selbst zum Klettern gehen oder den vorderen Teil des Bielatals durchwandern. Einige Massive und Felstürme mit lohnender Aussicht, wie etwa der von einer künstlichen Ruine gekrönte Bielablick und der Sachsenstein, sind durch Geländer und Leitern auch für normale Wanderer zugänglich gemacht worden. Abends genossen wir dann einen sehr schönen Diavortrag des Ornithologen Ulrich Augst vom Nationalparkamt Sächsische Schweiz über die Tier- und insbesondere Vogelwelt des Parks.

Rast am Bielablick

 

Am Samstag konnten wir uns dann selbst im Nationalpark umsehen. Mit dem Bus fuhren wir –nach Überquerung der Elbe – hinauf ins malerische Kirnitzschtal. Die Neumannmühle war der Ausgangspunkt für eine geologisch-botanische Rundwanderung durch das Gebiet des hinteren Zschand, wieder unter der fachkundigen Leitung von Volker Beer. Die Verwitterung der unterschiedlich harten Sandsteinschichten hat im Lauf von Jahrmillionen markante Stufen im Gelände herausgebildet. Steil aufragende Felswände wechseln sich mit Terrassen ab, auf denen die Wanderwege entlangführen. Die Flora des Gebiets ist sehr vielseitig, es gibt alle Arten von Kleinbiotopen und ökologischen Nischen.

Am Nachmittag ging es dann zurück nach Bad Schandau, wo man entweder gemütlich einkehren oder die Ausstellung im Nationalparkzentrum Sächsische Schweiz besuchen konnte. Anschließend fand im Nationalparkzentrum eine Podiumsdiskussion zum Thema "Klettern und Natur-schutz – ein gelungener Kompromiss" statt. Podiumsteilnehmer waren Uli Voigt (Ehrenvorsitzender des SBB), Andreas Knaak (Besucherlenkung im Nationalpark), Heiko Petzold (Forstbetrieb des Nationalparks) sowie Manfred Berger. Sie legten zunächst die in Kurzreferaten ihren jeweiligen Standpunkt zum Thema dar. Als Resumé der anschließenden Diskussion kann festgehalten werden, dass das Prinzip des "sächsischen Wegs", d.h. das Einhalten relativ strikter Kletterregeln im Sinne des Naturschutzes, in anderen deutschen Klettergebieten durchaus keine Selbstverständlichkeit ist. Aber auch in der sächsischen Schweiz bedarf es zur Wahrung des Gleichgewichts beständiger Anstrengungen von beiden Seiten.

Abends wurde auf der Terrasse der Bielatalhütte gegrillt. Anschließend begleitete Jürgen Butze von der Sektion Leipzig noch viele sächsische und alpenländische Bergsteiger- und Volkslieder auf seiner Gitarre.

Am Sonntag vormittag nahmen wir dann nach Frühstück, Packen und Reinigen der Hütte Abschied voneinander und von den Naturschönheiten des Elbsandsteingebirges. Einige Teilnehmer nahmen anschließend noch die Gelegenheit wahr, an einer – übrigens hervorragenden – Stadtführung durch Dresden teilzunehmen.

Anfang Mai 2008 wird das Treffen der am Naturschutz Interessierten im DAV von der Sektion Göttingen ausgerichtet. Naturschutzreferent Karl-Heinz Hesse lädt nach Schierke im Herzen des Harz ein

 

Dr. Jochen Simon