Naturverträgliche Skitouren – aktuelle Initiativen im Karwendel und in den Brennerbergen
Skitourenlenkung Schönalmjoch
Das Rißtal im Tiroler Naturpark Karwendel, vor einem Jahrzehnt noch wenig beachtet, hat sich mittlerweile zu einem kleinen Touren-Eldorado entwickelt. Tourenbegeisterte aus Bayern und dem Großraum Innsbruck besuchen vor allem am Wochenende die „Eng“ für Ski- und Schneeschuhtouren auf Schafreiter, Schönalmjoch & Co. Das Schönalmjoch hat besonders an Beliebtheit gewonnen, auch deswegen, weil diese Tour fast bei jeder Witterung möglich und sehr lawinensicher ist. Zuletzt gab es aber vermehrt Konflikte zwischen Tourengehern und Aufforstungsflächen. Im Bereich des „Mitterschlages“ waren aufgrund von Stürmen Windwurfflächen entstanden. Die Österreichische Bundesforste AG (ÖBf AG) als Grundeigentümer forstete diese Flächen wieder auf und zäunte sie zum Schutz vor Wildschäden teilweise ein. Nicht wenige Tourengeher wählten statt der früher begangenen Standardroute nun die vermeintlich neuen „Freiflächen“ für Aufstieg und Abfahrt und beschädigten mit den scharfen Skikanten viele unter dem Schnee versteckte Jungbäume.
Die ÖBf AG trat an den OeAV und die Naturparkbetreuung Karwendel heran, um in einem Gemein-schaftsprojekt eine Lösung dieses Problems zu erarbeiten. In das Projekt wurden auch der Deutsche Alpenverein (DAV), die berührten AV-Sektionen sowie die Jägerschaft eingebunden.
Die gemeinsam entwickelte Besucherlenkung baut auf drei Säulen auf.
(1) Attraktivierung der „Alten Route“
Um die Tourengeher von den sensiblen Jungwaldflächen wieder auf die frühere Standardroute zu lenken, wurde diese im oberen Bereich aufgelichtet und als „Tourenschneise“ attraktiviert.
(2) Information im Gelände
Am Startpunkt der Tour und einem weiteren wichtigen Standort wurden Informationstafeln errichtet. Diese sensibilisieren Tourengeher für die richtige Routenwahl und enthalten Informationen zum Thema „Wald & Wild im Winter“ sowie Sicherheitshinweise. Daneben markieren Wegweiser an kritischen Punkten den naturverträglichen Routenverlauf.
(3) Öffentlichkeitsarbeit
Eine kleine Broschüre „Naturverträgliche Wintertour Schönalmjoch“ vertieft die Inhalte der Tafeln mit Informationen zum Naturpark Karwendel, Verhaltensregeln sowie wichtigen Kontaktdaten und Links. Der Folder steht den Tourengehern vor Ort (Informationstafeln/lokale Gastronomie) zur Verfügung und kann bei allen beteiligten Partnern kostenlos bestellt werden. Ein weiterer Schwerpunkt war der Kontakt mit wichtigen Online-Tourenportalen und Herausgebern von Führerliteratur, um diese auf das Projekt und die Veröffentlichung der Wald schonenden Routenführung hinweisen.
Das Infoblatt kann hier heruntergeladen werden.
Die beteiligten Partner der Skitourenlenkung auf das Schönalmjoch sind zuversichtlich, bereits nach dem aktuellen Winter erste Erfolge der umgesetzten Maßnahmen beobachten zu können.
Skitourenlenkung Obernberg
Das Obernbergtal in den Brennerbergen ist eines der wenigen Tiroler Seitentäler, das von großtechnischen Erschließungen noch weitgehend verschont geblieben ist. Weite Teile des Tales rund um das „Naturjuwel Obernberger See“ stehen unter Landschaftsschutz. In den letzten Jahren haben immer mehr Tourengeher aus Tirol, Südtirol und Bayern die beeindruckende Landschafts- und Bergkulisse mit dem Obernberger Tribulaun (2.780 m) als Wahrzeichen entdeckt. An schönen Wintertagen sind bis zu 400 Tourengeher mit Ski und vermehrt auch Schneeschuhen im Gebiet unterwegs. Diese Entwicklung bringt im Obernbergtal vor allem zwei Probleme mit sich: Einerseits ungeordnetes Parken entlang öffentlicher Straßen und auf Privatgrundstücken. Andererseits – mit bedingt durch das Parkverhalten – verstreute Startpunkte und Routenführungen, was zu Konflikten mit dem Lebensraum von Birk- und Auerwild führt.
Initiiert durch die Betreuung des LSG Nösslachjoch-Obernberge See-Tribulaune und den OeAV hat man sich mit den zwei Gemeinden Gries und Obernberg a. Br., unterstützt durch den TVB Wipptal und die OeAV-Sektionen Matrei und Steinach a. Br. sowie in Abstimmung mit Forst und Jagd der Situation angenommen und ein Maßnahmenkonzept entworfen.
In einem ersten Schritt wurden die Touren, die Frequenz und das Parkverhalten der Tourengeher sowie die Lebensräume der Raufußhühner näher untersucht und die Konfliktbereiche räumlich verortet. Basierend auf dieser „Konfliktkarte“ entschieden sich die Partner, einige wenige Touren bzw. diverse Querungen im Waldgrenzbereich nicht mehr zu kommunizieren und freiwillige Wildschongebiete zu etablieren, diverse Tourenparkplätze zu kennzeichnen und an zentralen Ausgangspunkten Informationstafeln zu errichten. Zusammengefasst werden alle Informationen in einem Begleitfolder, darunter auch Details zur Durchführung der Touren mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Folder liegt in diversen Betrieben und Informationsstellen in der Region auf und kann bei den Projektpartnern kostenlos bezogen werden. Diese unterstützen das Projekt durch intensive Öffentlichkeitsarbeit.
Die Skitourenlenkung im Obernbergtal ist durch ihre große räumliche Ausdehnung und die Mehrschichtigkeit der Probleme ein Projekt, das weitere intensive Betreuung brauchen wird. Die Projektpartner werden die Situation beobachten und „dranbleiben“. Es gibt bereits jetzt Ideen für weitere Maßnahmen…
Die beiden Projekte im Naturpark Karwendel und Obernbergtal zeigen, wie unterschiedlich die Fragestellungen sein können, die im Rahmen von Skitourenlenkungen gelöst werden können. In beiden Projekten steht bereits jetzt ein Erfolg fest: Die verschiedenen Interessengruppen haben Verständnis für einander entwickelt und arbeiten an einem gemeinsamen Ziel – den Erhalt unseres Naturraumes. Das ist beispielhaft und Ansporn für weitere Projekte.
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