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Naturverträgliche Ski- und Schneeschuhtouren im Rotwandgebiet

Bitte beachten: Infoblatt "Naturverträglich Skitouren- und Schneeschuhgehen im Spitzingsee-Rotwand-Gebiet [2,1 MB]

 

Im Skitourengebiet Rotwand-Spitzingsee gibt es z. B. am Lempersberg, an der Benzingspitz und an der Maroldschneid Überwinterungsgebiete von Rauhfußhühnern. Diese Tierarten gelten als Leittierarten für intakte Lebensräume.
Obwohl die Tiere sehr gut an die Bedingungen im winterlichen Hochgebirge angepasst sind, können strenge Winter zu hohen Verlusten führen. Störungen in den Ruhezonen, wie sie durch eindringende Wintertouristen provoziert werden, können im ungünstigsten Fall zum Tod der Tiere führen und die Populationen stark dezimieren. Laut Auskunft von Waldemar Ziegler, Berufsjäger im Rotwandgebiet, ist das Schneehuhn im Rotwandgebiet fast ganz verschwunden. Die Strategie der Tiere im Winter ist, sich möglichst wenig zu bewegen und sich vor der Kälte zu schützen. Bevorzugte Ruhezonen sind daher die schneereichen Nordhänge von in Ost-West-Richtung verlaufenden Graten, wo sich die Tiere in Schneehöhlen eingraben. Zum Fressen wird dann der Grat überschritten und die oft abgeblasene oder gar apere Südseite aufgesucht. Werden die Tiere aufgeschreckt, ergreifen sie die Flucht und verbrauchen dabei im Winter ein Vielfaches mehr an Energie als im Sommer.

Die stark gestiegene Zahl von Tourengehern hat den Konflikt zwischen Naturschutz und Naturnutzung noch verschärft. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit hat deshalb schon 1995 das Projekt "Wildtiere und Skilauf im Gebirge" gestartet, das die wildbiologisch bedeutsamen Regionen erfassen und kartieren soll. Der DAV führt parallel dazu im Projekt "Skibergsteigen umweltfreundlich" eine Kartierung der Skitouren durch. Aus der Überlagerung der naturschutzfachlichen Karte und der Skitourenkarte werden dann Konfliktbereiche abgeleitet. In die auf diese Weise identifizierten Regionen werden dann Exkursionen mit Wildbiologen, Forstleuten, DAV-Sektionen, der Bergwacht usw. durchgeführt, um vor Ort Lenkungsmaßnahmen zu erarbeiten. Inzwischen ist der ganze bayerische Alpenraum erfasst. Eine neue Serie von Alpenvereinskarten, die auch die Schongebiete und die naturverträglichen Skirouten enthalten, ist seit 2009 erschienen und verzeichnet alle sensiblen Schutzzonen.

Die Lenkungsmaßnahmen bestehen in der Empfehlung naturverträglicher Tourenvarianten, die die sensiblen Bereiche umgehen und die zum Teil vor Ort durch grüne DAV-Schilder gekennzeichnet sind. In Einzelfällen, wie etwa an der Benzingspitz, zeigen auch "Stop-Schilder" die Grenzen sensibler Bereiche.

Leider werden die Schongebiete im Rotwandgebiet von einigen Tourengehern ignoriert, wie die Forstleute und Gebietsbetreuer vor Ort in den letzten Jahren immer wieder feststellen mussten. Es geht sogar noch weiter: Bereits mehrfach wurden Schilder beschädigt oder abgesägt. Von verschiedenen Seiten wird daher eine Sperrung der Schongebiete durch die Behörden gefordert. Eine erste Besprechung diesbezüglich, zu der das Landratsamt Miesbach Vertreter von DAV-Sektionen, Forstbetrieben und der Bergwacht eingeladen hatte, fand im Juli 2008 statt. Ein amtliches Betretungsverbot wurde dabei nicht beschlossen. Vielmehr soll durch gezielte Informationskampagnen, an denen sich auch die Gemeinden beteiligen sollen, an die Vernunft und das Verständnis der Tourengeher appelliert werden. Gerade die Gemeinden, die vom Tourismus leben, möchten Gebietssperrungen um jeden Preis vermeiden. Denn weiße Flächen im Wintersportgebiet, die nicht betreten werden dürfen, machen sich bei der Vermarktung nicht gut. Auch der DAV hofft immer noch auf die freiwillige Einhaltung der empfohlenen Routen. Deshalb sollen die Sektionen ihre Mitglieder noch besser über die Thematik informieren. Im Rahmen einer Diplomarbeit mit dem Titel "Skibergsteigen im Trend – Umweltverhalten von Freizeitsportlern im Spiegel nachhaltiger Entwicklungskonzepte" wurden Wintertouristen im Rotwandgebiet befragt. Demnach sind 82,7 % der Befragten DAV-Mitglieder, 36,3% davon aus den Sektionen München und Oberland. Ob es sich bei den Missachtern der Schutzzonen aber um DAV-Mitglieder handelt oder eher um alteingesessene Einheimische, die vielleicht gar keinen Computer haben und diese Internetinformation deshalb gar nicht lesen können, diese Frage darf man sich mit Fug und Recht stellen.


Dr. Georg Kaiser
Naturschutzreferent der Sektion München

 


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