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Die Geschichte der Neuen Prager Hütte 

Mit der Historie sowohl der Alten als auch der Neuen Prager Hütte ist Johann Stüdl, einer der maßgeblichen Gründerväter des Deutschen Alpenvereins, eng verbunden. 1901 legte Stüdl zusammen mit dem Bergführer Vincenz Ganzer den Platz für die neue Schutzhütte fest. Noch im gleichen Jahr entstand das Fundament sowie die unteren Mauerwerkarbeiten. Man hoffte, das neue Haus im Jahr darauf fertig zu sehen, doch das Wetter ließ 1902 die Vollendung nicht zu. Erst im Sommer darauf stand der trutzige Bau.
Doch damit waren die Geldmittel der Sektion wieder einmal vollständig erschöpft. Denn aufgrund deren "Bauwut" (Payer-, Olperer-, Höller-, Rifflerhütte sowie die "Alte Prager") konnten sich die Vereinsfinanzen nie so richtig erholen, wenngleich man bereits Arbeitsgebiete an andere Sektionen abgegeben hatte. Ein "Damen-Komitee" der Sektion Prag brachte zu guter Letzt die Mittel für die Inneneinrichtung auf, so dass die Neue Prager Hütte am 9. August 1904 feierlich eröffnet werden konnte. Und der neue Stützpunkt "lief" : Waren es in der ersten Saison noch 570 Besucher, kamen 1911 beachtliche 947 herauf. Wirtin Elise Mühlberger, die von 1908 bis 1945 (mit kriegsbedingter Unterbrechung) droben bleiben sollte, führte das Schutzhaus zur vollsten Zufriedenheit der Sektion wie der Gäste.

 

Rekordbesuch und jäher Fall

Nach dem Ersten Weltkrieg konnte Frau Mühlberger 1920 wieder aufziehen. Doch mit Ende des Ersten Weltkriegs waren nicht nur die Südtiroler Hütten enteignet worden, die neuen Grenzen trafen auch die Sektion schwer. Viele Mitglieder - auch der greise Stüdl - verließen Prag. Nur noch ein Drittel der Sektionsmitglieder blieb und die Sektion wandelte sich in den "Deutschen Alpenverein Prag". Als solcher wurde er zur Zentralstelle des "Verbandes der Deutschen Alpenvereine in der Tschechoslowakischen Republik", dem mit Ausnahme Warnsdorfs sämtliche sudetendeutschen AV-Sektionen angehörten.
Für die Neue Prager Hütte ließen sich die 1920er-Jahre nicht schlecht an. 1929 stieg die Besucherzahl auf grandiose 2606.

 

Der Neubeginn

Den Zweiten Weltkrieg hatten beide Prager Hütten verhältnismäßig gut überstanden. Für den "Deutschen Alpenverein Prag" indes bedeutete er das Aus. Die Sudetendeutschen wurden vertrieben, die Alpenvereinsmitglieder verstreut, ein Neuanfang schien zunächst undenkbar. Mit 30 Mitgliedern gelang er trotzdem und nach offizieller Wiedergründung des Deutschen Alpenvereins 1950 in Würzburg ging es mit der "Sektion Prag in München" kontinuierlich aufwärts.

 

Freundliche Übernahme durch die "Oberländer"

Die "Neue Zeit - unter anderem mit den verstärkten Maßnahmen zum Umweltschutz auf Hütten und Wegen - brachte für die so traditionsreiche, rührige, aber durch Krieg und Vertreibung geschwächte Sektion Prag mit ihrem immer noch beachtlichen Hüttenbesitz drückende Probleme. Sie musste sich nach einem Partner umsehen und der damalige Vorsitzende Wilfried Adler fand diesen in Klaus Preuss und der großen Sektion Oberland. Am 1. Januar 1992 wurde aus der Sektion Prag die "Gruppe der Prager", die den "Oberländern" auch ihre Hütten "mitbrachte".

Auch was die Hüttenbewirtschaftung betrifft, ging in den 1990er Jahren eine Ära zu Ende: Walter Oblasser verließ 1997 nach fast 30 Jahren als Hüttenwirt die Neue Prager Hütte. Er hatte die Erweiterungsbauarbeiten 1977 bis 1986 begleitet, während derer die Vergrößerung auf 130 Schlafplätze, die Erneuerung von Küche und sanitären Anlagen und die Einrichtung einer mechanischen Abwasserbeseitigungsanlage erfolgten. Der umbaute Raum wurde von 1000 auf 2000 Quadratmeter ausgedehnt, die Kosten beliefen sich auf zwei Millionen Mark. Seit 1997 sorgt eine Fotovoltaikanlage für den laufenden Betrieb, das Dieselaggregat kommt nur noch fürs Kochen und Heizen zum Einsatz.

 

Hoffnungsfroher Ausblick

Im Sommer 2004 feierten die "Prager" zusammen mit den "Oberländern" das einhundertjährige Jubiläum der Neuen Prager Hütte. Im Jahre 2003 zählte man an die 3500 Übernachtungen, davon 400 während der Skitourensaison.

 

Horst Höfler,  "Trutzbau überm Schlatenkees" in  "Panorama" (Mitteilungen des Deutschen Alpenvereins), Heft Februar 2005

 


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