Luisa Deubzer gewinnt den Deutschen Sportklettercup
Text: Nils Schützenberger, Fotos: Alex und Jorgos Megos, Borut Kavzar
In den letzten zwei Jahren schrammte Luisa Deubzer wiederholt am ganz großen Erfolg vorbei. Mit sehr guten Platzierungen gewann "Lulu" heuer die Gesamtwertung im Deutschen Sportklettercup.
Luisa Deubzer auch im Bouldern stark
Ganz anders lief es dann in diesem Jahr. Die nach wie vor zu den jüngsten im deutschen Damenklettersport zählende Nachwuchsathletin leitete den ersten nationalen Wettkampf des Jahres mit einem Paukenschlag ein: Finalteilnahme und Platz 4 auf dem ISPO-Bouldercup; eigentlich ist das Bouldern gar nicht ihre Stärke. Luisa zeigte mit dieser überraschenden Leistung an, wohin die Reise in diesem Jahr gehen sollte. Im April brillierte sie mit ihrem ersten Sieg bei einem deutschen Sportklettercup in Scheidegg. Freilich hatte sich Juliane Wurm, die bis dato unbestritten beste deutsche Wettkampfklettererin, aus der Leaddisziplin (= Seilklettern) zurückgezogen und tritt nur mehr beim Bouldern an. Dass Scheidegg keine Eintagsfliege war, bewies Lulu kurz darauf in den Osterferien in Spanien.
Die zweite 8b
Nachdem Lulu im Dezember 2010 bereits ihre erste 8b (Mrtvaski ples in Osp/Slowenien) gepunktet hatte, konnte im Osterurlaub in Spanien nichts mehr anbrennen. Mit zwei 7c+, zwei 8a und einer weiteren 8b (Zona 0/Siurana) im Gepäck meldete sie sich auf der internationalen Wettkampfbühne auf dem European Youth Cup (EYC) im Mai in Edinburgh zurück. Dort schloss sie mit einem hervorragenden 4. Platz in der Jugend A ab. Im Juni gewann Lulu in der Jugend A auf dem deutschen Sportklettercup in Regensburg. Bei den Damen machte sie "nur" Platz 3. Zwei mächtige Konkurrentinnen machten ihr das Leben schwer. Julia Winter, die sächsische Spitzenklettererin, war nach über einem Jahr Babypause wieder in den Wettkampfzirkus eingestiegen. Und auch Ines Dull (Allgäu-Immenstadt), die "ewige Zweite" bei den Damen schnupperte nach dem Ausstieg von Juliane Wurm Morgenluft. Ines gewann in Regensburg übrigens zum ersten Mal einen deutschen Sportklettercup. Im August gelang Luisa auf dem deutschen Bouldercup in Überlingen erneut das Meisterstück, in das Finale bei den Damen vorzustoßen (Platz 6). Auf der Jugend-WM in Imst war sie erneut im Finale dabei. Ihr persönliches Niveau hat sich damit konstant im Spitzenbereich ihrer Altersgruppe eingependelt. Nach dem "nur" 3. Platz in Regensburg war es aus Luisas Sicht entscheidend, wie der letzte Wettkampf der Sportkletterserie im September in Darmstadt ausgehen würde.
Lulu macht den Sack zu
In der Quali in Darmstadt zeigten sich Lulus Konkurrentinnen (eigentlich sind sich die Wettkampfkletterer fast alle freundschaftlich verbunden) in Topform. Als Fünftplatzierte zog sie ins Finale ein und der Erfolg schien in weiter Ferne. Aber der Klettersport hat eine unbestrittene Affinität mit dem griechischen Gott Kairos (Kairos = der günstige Augenblick). Den günstigen Augenblick gilt es am Schopf zu packen, um Erfolg zu haben. Und genau so machte es Lulu: Eine schwere Einzelstelle überwand Lulu in einem Kraftakt und konnte sich mit weitem Abstand von der Konkurrenz absetzen. Nur Julia Winter präsentierte sich noch eine Klasse besser als Lulu und gewann an diesem Tag verdient. Mit dem zweiten Platz in Darmstadt führte Luisa jedoch die Jahresgesamtwertung an und ist damit die aktuell beste deutsche Klettererin im Leadwettkampf. Ein Wettkampf steht allerdings noch aus: die deutsche Meisterschaft Anfang Dezember in Wuppertal. Dort werden die 8 besten Damen gegeneinander antreten. Mit Julia Winter, Ines Dull und Denise Plück (Rheinland-Köln) sind mindestens drei weitere starke Damen am Start. Wird Lulu sich durchsetzen können?
Starke Mädels bei München & Oberland
Aber Luisa Deubzer ist nicht das einzige starke Klettermädel bei München & Oberland. Monika Retschy wurde nach 2 souveränen Teilnahmen auf Boulderworldcups (sie kam jedesmal ins Halbfinale, Platz 17 und 13) in den Damen-Nationalkader aufgenommen. Sie trainiert damit ab sofort zusammen mit Jule Wurm. Die erst 16-jährige Sarah Schützenberger konnte auf dem Boulderweltcup in München im August zum ersten Mal in ein internationales Damenhalbfinale vorstoßen. Sie war an diesem Tag die jüngste der 21 besten Frauen der Welt. Die 14-jährige Pema Sherpa aus dem Wettkampfkader 2 bewies ihr Talent mit einem 2. Platz auf dem Deutschen Jugendcup in Regensburg im Juni. Auch die Kletterjungs von München & Oberland haben starke Ergebnisse für 2011 vorzuweisen, dazu mehr zum Jahresende, denn die Saison ist noch nicht vorbei. Anfang Dezember steht das Finale der deutschen Meisterschaft in Wuppertal ins Haus.
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