Sammy Adolph wird deutscher Meister in der Jugend A
Text: Nils Schützenberger, Photos: Matthias Keller, Ingo Averdunk
Zum Saisonende findet traditionell der Höhepunkt der nationalen Wettkämpfe statt, die Deutsche Meisterschaft. Nur die allerbesten deutschen Kletterer qualifizieren sich im Jahresverlauf für diese Abschlussveranstaltung, die am vergangenen Wochenende in Leipzig abgehalten wurde. Sammy Adolph und Luisa Deubzer aus dem Kletterteam München & Oberland gelang sogar das Kunststück, sowohl bei der Jugend als auch bei den Erwachsenen (als jüngste Teilnehmer) das Ticket für Leipzig zu lösen. Insbesondere Luisa Deubzer wurde in der weiblichen Jugend A als unbestrittene Favoritin gehandelt. Bei den Damen war ein Podiumsplatz für Luisa durchaus im Bereich des Möglichen. Sammy Adolph galt zusammen mit Chris Hanke als Favorit in der männlichen Jugend A. In letzter Zeit kletterte Chris sogar noch etwas stärker als Sammy. Auf dem Jugendworldcupabschluss in Kranj am 21.11. kämpfte sich Chris mit einer fulminanten Leistung ins Finale der weltbesten Jugend-A-Kletterer. Dort schloss er mit einem ausgezeichneten 8. Platz ab.

Fünf Kaderathleten starteten für München & Oberland
Insgesamt gingen für München & Oberland fünf Kaderathleten auf der DM an den Start und stellten damit die drittgrößte Startergruppe. Die Deutsch-Nepalesin Pema Sherpa hatte mit einem Spitzen-Saisonergebnis ebenfalls die Zulassung zur Deutschen Meisterschaft in der Jugend B erklettert. Ihre Kaderkollegin Sophia Schnelzer war nur knapp an der Zulassungsgrenze gescheitert. Mit Sophia darf eventuell nächstes Jahr in der Jugend B gerechnet werden. Pemas Möglichkeiten, sich einen Podiumsplatz zu erkämpfen, galten als denkbar, wenn denn keine ultraharten Längenzüge der kleinen Kletterdame einen Strich durch die Rechnung machen würden. Schließlich startete noch Florian Wientjes für München & Oberland in der Jugend B. Er trat gegen die stärksten Jugend-B Kletterer der Welt an. Die Spitzenathleten, unter ihnen Weltmeister Sebastian Halenke (Schwäbisch-Gmünd) und die Firnenburg-Brüder (Hannover), sowie Moritz Hans (Schwaben), sind (wie Chris Hanke und Luisa Deubzer) auch Mitglied im Nationalkader. Einige der Vorgenannten besetzen bei Internationalen Wettkämpfen regelmäßig das Podium. Keine leichte Aufgabe für Florian.
Eine spannende Deutsche Meisterschaft
Ein spannender Wettkampf war am vergangenen Wochenende also vorprogrammiert, doch 1. kommt es bekanntlich meist anders und 2. als man denkt. Die DM der Erwachsenen am Samstag war insgesamt ein sehr gelungenes Event, das sich u.a. durch spektakuläre und fordernde Routen auszeichnete. Sammy Adolph scheiterte am Samstag überraschend im Herrenhalbfinale an einem gar nicht so schweren Zug in der unteren Wandhälfte. Nach eigener Aussage war er eigentlich unterfordert, ein Phänomen, das bei Sammy öfters auftritt: Richtig spitze klettert Sammy manchmal nur, wenn er "auf Anschlag" gefordert ist. Leider "nur" ein 9. Platz und kein Finale für den starken Youngster bei den Herren. Bei Luisa Deubzer verlief das Damenhalbfinale dramatisch. Bei einem einfachen Verlängerungsschnappzug im leichten untersten Wanddrittel verschätzte sie sich bei der Handstellung an der Kontaktfläche und schnalzte aus der Wand. Luisa hatte etliche der Damen, denen sie nun den Vortritt lassen musste, 2010 weit hinter sich gelassen. Eine bittere Pille für das junge Talent. Mit Platz 7 scheiterte Luisa ebenfalls knapp an der Finalzulassung.
Pema Sherpa übersieht Zwischensicherung
Aber es gab ja noch Hoffnung auf die Jugend-DM, die am Sonntag stattfinden sollte. In den nur mäßig ansprechenden Jugendhalbfinalrouten wurde Pema Sherpa in Wandmitte an einem herben Schulterlängenzug aus der Wand gedrückt. Ihr Glück, dass die DM-Schrauber erneut das Einfühlungsvermögen für weibliche Jugendkletterer vermissen ließen und insgesamt 8 von 10 Teilnehmerinnen am selben Zug das Handtuch warfen. Im Finale wollte Pema dann auftrumpfen, denn bis über die Wandmitte war die Route zwar kräftig, aber längenzugfrei, eine gute Platzierung im Finale war möglich. So kletterte Pema mit Leichtigkeit in die Wandmitte hinein, bis plötzlich die Schiedsrichter – u.a. in Person des Autors dieser Zeilen – sie stoppten. Sie hatte vergessen, die dritte Zwischensicherung, die etwas versteckt unter einem Dach angebracht war, zu clippen. Die Tatsache, dass sie völlig entspannt in Wandmitte unterwegs war und damit auf dem Weg zum besten Ergebnis ihrer Wettkampfkarriere, war nicht nur für Pema ein harter Schlag. Ihr blieb nur der aussagelose 8. (letzte) Platz.
Florian Wientjes holt alles raus
Sehr viel besser erging es Florian Wientjes. Bei der männlichen Jugend B bewiesen die Schrauber erneut mangelnde Kenntnis in der Jugend. 8 der 9 Jugend-B-Starter scheiterten an der selben Zugkombination (davon etliche allein wegen ihrer Körpergröße). Glück auch für Florian, der genauso hauchdünn wie Pema ins Finale einzog. Dort gab er mächtig Gas und platzierte sich zwei Züge hinter Ruben Firnenburg auf dem hervorragenden 5. Platz. Allerdings war einer seiner Hauptkonkurrenten, Joachim Tensing (Coburg), der fast immer gleichstark wie Florian klettert, nur hauchdünn am Finaleinzug gescheitert. Dennoch ein Ergebnis, das Florian mehr als zufrieden stellte.
Luisa Deubzer kann sich nicht mehr motivieren
Dann sollte eigentlich Luisa in der Jugend A brillieren, doch sie konnte sich nach der Niederlage des Vortags nicht mehr motivieren und kam "lediglich" auf den undankbaren 4. Platz, der weit unter ihrem persönlichen Können ist. Luisas große Hoffnung auf einen Spitzen-Jahresabschluss sollte sich damit leider zerschlagen.

Sammy und Chris dominieren die Jugend A
Anders verlief es in der männlichen Jugend A. Chris Hanke war mal wieder im Übertraining und musste alles aufbringen, um sich bis ganz knapp an die höchste Position von Sammy im oberen Wanddrittel heranzuarbeiten. Die beiden Spitzenkletterer bewiesen damit ihre Dominanz in der Jugend A, denn sämtliche Konkurrenten blieben weit hinter ihnen. Sammy wurde Deutscher Meister und Chris deutscher Vizemeister. Sammy holte damit für das Kletterteam zum ersten Mal einen deutschen Meistertitel im Vorstieg. Die vorherrschende Stellung der beiden Kletterer von München & Oberland kann sich allerdings im kommenden Jahr gründlich ändern. In der kommenden Saison rückt ein Teil der vorgenannten Weltspitzenkletterer aus der Jugend B auf. Die Luft wird bekanntlich mit jedem Schritt Richtung Erwachsenenklasse "dünner".
Resümee 2010
Mit hervorragenden Ergebnissen in 2010 haben die Jugendwettkämpfer des Kletterteams München & Oberland auf der bayerischen Ebene die Nase weit vorne. Die Mitglieder des Wettkampfkaders 2 folgen teilweise auch auf der nationalen Ebene dem Wettkampfkader 1 nach und sammeln erste Erfolge. Eine Tendenz, die sich vielleicht noch verstärkt. Auf internationaler Ebene werden sich absehbar nur einzelne Ausnahmetalente von München & Oberland etablieren können. Hier entscheidet nicht nur Wille und Talent, sondern aufgrund der vergleichsweise wenigen Nationalkaderplätze in erheblichem Maße auch das Glück mit. Mit Teilnahmen an vielen Dutzend Wettkämpfen in 2010 und insgesamt 300 Mitgliedern ist München & Oberland das bundesweit größte Fördersystem im Leistungskletterbereich. Nach der vergleichsweise simplen Aufbauarbeit kommen nun die Mühen der Ebene, wobei es gilt, das erworbene Potenzial zu erhalten und in kleinen Schritten auszubauen. In diesem Sinne wird auch 2011 wieder ein spannendes Wettkampfjahr werden.
Ergebnisse auf digitalrock.de …
offizieller Bericht des DAV…
Bericht und Videos auf bergleben.de …
|