| Die phantastische Lage der Falkenhütte (1848 m), vor den mächtig aufragenden Laliderer Wänden mit ihrer legendären Herzogkante, war ursprünglich gar nicht an diesem Standort vorgesehen. |
1912/13 | Bereits in den Jahren 1912/13 gab es erste Pläne für den Bau einer Selbstversorgerhütte an der Südseite des Falkenstockes, um so die mittlere Karwendelkette, zwischen Karwendelhaus und Lamsenjochhütte, besser zu erschließen. Das Vorhaben scheiterte damals an jagdherrlichen Bedenken. |
1914-18 | Dann machte der Ausbruch des ersten Weltkrieges allen Plänen ein Ende. |
1919 | Doch schon bald nach Beendigung des Krieges griff man das Vorhaben wieder auf. Am 9. Sept. 1919 reiste der Sektionsvorsitzende, Adolf Sotier, nach Innsbruck, um mit dem Oberforstrat Mutschlechner von der Forst- und Domänendirektion Innsbruck die Standortfrage in einem persönlichen Gespräch zu klären. Der nun ins Auge gefasste Standort nahe den Laliderer Wänden fand überraschend die Zustimmung der Grundeigentümer, sofern die Hütte bewirtschaftet würde, da diese hofften, damit den Plänen eines Hotelbaues auf dem Kleinen Ahornboden entgegenwirken zu können. |
1920 | Am 27. Januar 1920 fasste die Mitgliederversammlung nach engagierten Diskussionen über das Für und Wider den Beschluss zum Bau einer bewirtschafteten Hütte. |
1921 | Eine weitere Ortsbegehung Ende Mai 1921 brachte dann die Entscheidung, den Bauplatz auf dem angrenzenden Grundbesitz des Fürstenhauses von Sachsen-Coburg und Gotha, auf dem Spießkopf oberhalb des Spielissjochs, zu wählen. Nach mehreren Verhandlungen erhielten wir am 19. Mai 1921 endgültig die Genehmigung zum Hüttenbau auf coburgschem Grund. Die außerordentliche Mitgliederversammlung am 14. Juni erteilt die Zustimmung zu den Bauplänen und der Finanzierung mit einer Darlehensaufnahme. Bereits Anfang Juli haben die ersten Pioniere des zukünftigen Hüttenbaues die Arbeit aufgenommen und am 20. August 1921 fand die Grundsteinlegung statt. Drei Jahre lang zogen nunmehr von Ende Juni bis Ende September all-wöchentlich Gruppen von 8 bis 10, später von 20 und mehr Mitgliedern von München über Scharnitz, Kochel oder Tölz zum Hüttenbauplatz am Spielissjoch. Der Arbeitsdienst war gut organisiert. Allwöchentlich trafen sich die Mitglieder, die in der darauf folgenden Woche auf die Baustelle ziehen wollten am Vereinsabend mit den Leuten, die am Sonntag vorher vom Hüttenbauplatz zurückgekehrt waren, um alles Notwendige zu besprechen. Bei dem gesamten Hüttenbau waren nur drei externe Mitarbeiter eingestellt worden, alle anderen Arbeiten wurden von Sektionsmitgliedern geleistet. Als Entgelt für ihren Einsatz an Zeit und Geld erhielten die Hilfsdienstler Ersatz ihrer Fahrtkosten, auf welche die meisten nachträglich verzichteten, und eine verbilligte Verpflegung am Hüttenbauplatz. Gewiss, es waren schwere Zeiten mit großer Arbeitslosigkeit, damit dieses herausragende Werk an Gemeinschaftsgeist und Gemeinsinn allein begründen zu wollen, würde diesem sprichwörtlich gewordenen „Oberländergeist“ nicht gerecht. Echter, kameradschaftlicher Geist herrschte nicht nur bei den Arbeiten, sondern auch bei den Touren, die an freien Tagen vor Beginn und am Schluss der Arbeitswoche unternommen wurden. Im selben Jahr fand noch der Pachtvertrag für die Wasserversorgung mit den Tiroler Forstbehörden seinen Abschluss. |
1922
| Bevor am 17. September 1922 der geschmückte Firstbaum das Bauwerk krönte, war bis mittags nochmals alles im Einsatz, einschließlich der eintreffenden Festgäste, um auch die letzten Balken und Sparren auf ihren vorbestimmten Platz zu bringen.
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1923
|  Am 12. September 1923 unterzeichnete man den Grundstückskaufvertrag über 3554 qm mit dem Sachsen-Coburgschem Fürstenhaus.
An einem strahlenden Herbstmorgen strömten an die 350 Festteilnehmer zur ersehnten Einweihungsfeier, es war der 16. September 1923. Pater Leo vom Stift Fiecht, der schon über viele Jahr der Sektion eng verbunden war, zelebrierte den Festgottesdienst. Festansprachen, Grußworte, Glückwünsche – die Hütte war eröffnet – "Prost Sektion!“. |
1924
| Zu Pfingsten 1924 nahm die neue Hütte offiziell ihren Betrieb auf. Die Bewirtschaftung wurde dem "Lamsenwastl“ (Sebastian Schrettl) übertragen, einem der drei angestellten Mitarbeiter beim Hüttenbau. Der "Lamsenwastl“, Bergführer, war schon beim Bau der beiden Lamsenjochhütten tätig und wuchs sich mit seiner Erfahrung und Geschicklichkeit zum Allerweltshandwerker aus. |
1925/26 | Eigentlich war das Nebengebäude ja als Stall für die beiden Mulis, die Waschküche und weitere Gerätschaften und Vorratslager vorgesehen gewesen. Dort wo während des Hüttenbaues die Arbeiter genächtigt hatten, richtete man nun Massenlager für die zahlreichen Besucher ein. Der Mulistall und die Waschküche wurden kurzerhand an das Nebengebäude angebaut. |
1933-36 | Durch die Grenzsperre ging die Besucherzahl stark zurück Hans Kofler, Hüttenwirt unserer Lamsenjochhütte, übernahm 1933 auch die Falkenhütte. Ihm folgte kurze Zeit später sein Sohn Max Kofler, der 1937 für seine Einsätze mit dem Rettungsehrenzeichen des DAV ausgezeichnet wurde. |
1937/38 | Die vor 15 Jahren verlegte Wasserleitung war durch den lehmigen, sauren Boden zerstört worden und musste komplett erneuert werden. Im Jahr darauf errichtete man einen zweiten Wasserbehälter nahe bei der Hütte. |
1939 | Anlässlich des vierzigjährigen Sektionsjubiläums erhielt die Falkenhütte zur Ehrung unseres Vorsitzenden den Beiname „Adolf-Sotier-Haus“, "... weil sie wohl das schwerste Stück Arbeit bedeutete, das er während seiner langen Vorstandschaft (1912 bis 1948 und nochmals 1949) durchzuführen hatte. ...“ |
1939-45 | Zweiter Weltkrieg; die Bewirtschaftung ist insbesondere in den Jahren 1943/44 nur noch unter großen Schwierigkeiten möglich. |
1945-55 | Die Verwaltung der DAV-Hütten in Österreich liegt treuhändisch beim OeAV. |
1946 | Das Ehepaar Peter und Tilli Kostenzer übernehmen als Hüttenpächter die Falkenhütte. |
1956 | Unser in Tirol gelegener Hüttenbesitz geht wieder an die Sektion Oberland. |
1958 | Die Hütte erhält Gasversorgung zum Betrieb eines Kühlschrankes und der Beleuchtung für Küche, Gastraum und Treppenhaus. Nach entsprechenden Vereinbarungen mit den Österreichischen Bundesforsten und der Sachsen-Coburgschen Forstverwaltung kann die Zufahrt nunmehr von Hinterriß durch das Johannistal erfolgen, was eine wesentliche Erleichterung bei der Hüttenversorgung brachte, musste doch bisher der schwierige und lange Weg von Scharnitz über das Karwendelhaus und den kleinen Ahornboden genommen werden. |
1959 | Der "Supersommer“ des Jahres 1959 ließ die Zahl der Übernachtungen auf 7207 ansteigen. Bereits die Zahl von durchschnittlich 5800 Übernachtungen pro Saison machte deutlich, dass dringend Aus- und Umbaumaßnahmen an der Hütte erforderlich wurden. |
1960 | In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 12. April 1960 wurden die Pläne für den Aus- und Umbau der Hütte vorgelegt und beschlossen. Bereits am 20. Juni wurde mit den Arbeiten begonnen und noch im selben Jahr, am 9. Oktober fand die feierliche Einweihung statt. Neu- und Zubauten an der Ost- und Südseite erbrachten 26 neue Schlafplätze, ein großes Zimmer für den Pächter, ein Personalzimmer und eine neue Gaststube für weitere 40 Personen. Neue Toiletten und Waschräume wurden geschaffen, die Küche, einschließlich Herd und großem Boiler modernisiert und das gesamte Hüttendach erneuert. Die Hütte hat nunmehr 34 Betten, 67 Lager und 14 Notlager. Zu den 115 Übernachtungsplätzen liegen für Stoßzeiten Luftmatratzen bereit. |
1961 | Nun ging es daran auch die alte Gaststube zu renovieren, wobei man die ursprüngliche Gestaltung erhalten wollte. Ein neuer Kachelofen wurde gesetzt und die Propangasanlage erweitert. Und ein weiteres Mal musste die gesamte Wasserversorgung saniert werden, womit nunmehr 23 cbm Wasser gespeichert werden konnten. |
1964 | Offenes Licht stellt in einem reinen Holzhaus ein gewisses Risiko dar, zumal ein Teil der Hüttengäste nicht mehr richtig damit umzugehen weiß. Auch mag der Wunsch der Vater des Gedanken sein, es ist Zeit für die Planung (1963) der Stromversorgung mittels eines Aggregates. Die Sachsen-Coburgsche Verwaltung stellt dankenswerter Weise den Grund zur Verfügung, womit das Aggregathaus in genügender Entfernung von der Hütte errichtet werden kann. Noch im selben Jahr 1964 ging die Anlage in Betrieb, die Hütte hatte Strom. |
1970 | Anfang des Jahres 1970 erhält die Sektion die traurige Nachricht, dass die Ehefrau unseres Hüttenpächters, Frau Tilli Kostenzer, am 18. Februar nach schwerer Krankheit verstorben ist. Herr Peter Kostenzer bewirtschaftet die Hütte nun mit seinen beiden Töchtern Maria und Paula. Der Landeshauptmann von Tirol lässt eine Sprechfunkverbindung über das Karwendelhaus zur Gendarmerie in Scharnitz installieren, womit vor allem die Alarmierung der Bergrettung wesentlich erleichtert wird, aber auch Bestellungen über den Gendarmerieposten Scharnitz abgesetzt werden können. |
1972 | Ein neues, stärkeres Aggregat wird angeschafft, um den steigenden Strombedarf decken zu können und eine Notbeleuchtung wird installiert. |
1973 | Das Wetter war nicht sehr einladend an diesem Wochenende des 29./30. September 1973 und so fand das 50-jährige Hüttenjubiläum in einem kleineren Kreise statt. |
1975 | Ein neuer Küchenboden, wischbare Bodenbelägen in den Gängen und neue Schaumstoffmatratzen stehen im Tätigkeitsbericht 1975. |
1976 | Nach 30 Jahren übergibt Peter Kostenzer zum Saisonende 1976 die Hüttenpacht an seinen Sohn Fritz, der schon viele Jahre auf der Hütte mitgearbeitet hat. |
1978 | Unser Hüttenreferent (seit 1972) Siegfried Bergold wird bei einem Verkehrsunfall tödlich verletzt. Seine Ehefrau Helga übernimmt das Hüttenreferat. |
1980 | Ein weiteres Mal wird die Wasserversorgung saniert, eine neue Quellfassung gebaut und eine elektrische Wasserpumpe installiert, die von der Hütte aus gesteuert werden kann. |
1981/82 | Für ein zweites, größeres Aggregat wird das Aggregathaus erweitert. Die Sektionsjugend und Jungmannschaft pickelt und schaufelt die Gräben für eine Ringleitung zur Erdung der neuen Biltzschutzanlage. |
1983 | Zum 60-jährigen Hüttenjubiläum erhält die Hütte ein Funktelefon. |
1984 | Herr Peter Kostenzer ist am 14. Juni 1984 verstorben. 38 Jahre war er auf der Falkenhütte für seine Bergsteiger tätig gewesen. |
1986/87 | Mit der Coburgschen Forstverwaltung und den Österreichischen Bundesforsten wird ein Dienstbarkeits- bzw. Nutzungsvertrag für den neuen „Ladizwald Forstweg“ geschlossen, der vom Johannistal kommend, links am kleinen Ahornboden vorbei, zur Ladizalm führt. Im Gegenzug verzichtet die Sektion auf das Fahrrecht über den kleinen Ahornboden, um so dieses Kleinod möglichst vom Fahrzeugverkehr frei zu halten. |
1987 | Das Jahr 1987 stand ganz im Zeichen des Umbaues des Nebengebäudes. Das Dach wurde in seiner ganzen Länge geöffnet und zur Hälfte komplett angehoben. Mit Fenstern versehen, entstanden nun helle freundliche Räume für ein großes Lager. Vier neue Personalzimmer mit zwei Duschen (Solaranlage) und ein schöner Winterraum wurden eingebaut. Da gab es eine Menge an Tätigkeiten, die der Hüttenreferent Horst Wels (seit 1983), selbst langjähriger Jungmannschaftsleiter, mit der Sektionsjugend in über 900 Stunden an freiwilligen Arbeitseinsätzen verrichteten. So mancher Hüttenbesucher wunderte sich über den Arbeitseifer der Jungen und Mädchen und sprach ihnen seine Anerkennung aus. Die beste Bestätigung wohl für den Hüttenreferenten, der es verstand die Sektionsjugend zur freudigen Mitarbeit an diesem Gemeinschaftswerk zu motivieren. |
1988 | Noch im Spätherbst des Jahres 1988 wurde mit der dringend notwendigen Erneuerung der Wasserversorgungsanlage begonnen. Es sollte eine komplett neue Anlage werden, bei der drei Quellen aufgrund eines hydrogeologischen Gutachtens neu gefasst wurden. Das Ergebnis war sowohl eine wesentlich bessere Wasserqualität als auch eine ganzjährig ausreichende Quellschüttung. |
1989 | Ebenso wichtig wie die Wasserversorgung ist die Abwasserreinigung. Unsere AGUSSO (Arbeitsgemeinschaft alpiner Umweltschutz der Sektion Oberland) hat in Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen, u.a. der Uni Wien, als Pilotprojekt eine Pflanzenkläranlage projektiert. |
1990 | Die Hütte hat nun eine abgeschlossene Pächterwohnung mit zusätzlichem Kinderzimmer und Bad. |
1993 | Die Feier zum 70-jährigen Hüttenjubiläum wurde auf das Jahr 1994 verschoben. |
1994 | Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Es war ein großes Jubiläumsfest und ein ganzes Festpaket das die zahlreichen Besucher erwartete: das 70-jährige Hüttenjubiläum musste nachgefeiert werden und dazu gleich eine Reihe von Baumaßnahmen die nunmehr abgeschlossen waren: das neue Nebengebäude, die gänzlich neue Wasserversorgungsanlage wie auch die Abwasserreinigungsanlage mit der Pflanzenklärstrecke, dem Fettabscheider und dem Feststoffabscheider in einem eigens errichteten Gebäude, der „Käserei“. Die ganze Hütte erstrahlte vom Dach über die Fassaden zum Festtag in einem neuen Lärchenschindelkleid – ein prachtvoller Anblick. Unsere Sektionsjugend ist mit ihren Gästen aus Ecuador zu Gast auf der Hütte. |
1996 | Seit nunmehr 50 Jahre bewirtschaftet die Familie Kostenzer unsere Falkenhütte. Die erste der im selben Jahr geschaffenen „Ehrenmedaille der Sektion Oberland“ wird an die Familie Kostenzer verliehen. |
1997 | Eine vom DAV-Hüttenreferat veranstaltete Hütteninfo-Tour mit Vertretern der Fachbehörden und Entwicklungsbüros aus Deutschland und Österreich ist zu Gast auf der Falkenhütte. |
1997/98 | Die AGUSSO führt an mehreren Wochenenden und dies über mehrere Jahre, Arbeitstouren an den Zugangswegen durch, um die durch Abschneider verursachten massiven Trittschäden auf den Almböden zu sanieren und die Steige so abzugrenzen, dass die Bergsteiger möglichst auf den Wegen bleiben. |
2000 | Nun erhält auch das Nebengebäude eine Lärchenschindelverkleidung. Ein schöner Anblick, dieses harmonische Ensemble. |
2001 | Der erste Besuch unserer Partnersektion CAI Milano führt uns am 29./30. September 2001 auf die Falkenhütte. |